Alt Füssen auf den Spuren der Füssener Brunnen

Das nasse Wetter passte zum Thema des letzten Treffens von Alt Füssen: Der Historische Verein hatte zu einem Spaziergang zu den Füssener Brunnen gebeten und dabei einen Blick auf die Wasserversorgung der Stadt in früherer Zeit geworfen.

Füssen war vermutlich schon zum Zeitpunkt der Stadtwerdung mit sauberem Trinkwasser versorgt, wahrscheinlich mit Hilfe des Klosters St. Mang, das stadtnahe Quellen im Faulenbacher Tal besaß. In hölzernen Deicheln wurde das Wasser zu den über die Stadt verteilten Brunnen geleitet. Vermögende Bürger konnten sich schon am Ende des 15. Jahrhunderts eine Leitung ins Haus legen lassen. Die dazu notwendigen Verträge, sogenannte „Brunnenbriefe“, liegen noch immer im Stadtarchiv.

 

Der Spaziergang begann am Mädchenbrunnen, der auf eine Initiative Füssener Frauen entstanden war. Von hier ging es zur Wasserreserve auf dem Baumgarten. Die war im Zusammenhang mit dem Bau einer modernen Wasserversorgung mit eisernen Wasserleitungsrohren entstanden. Sie lag so hoch über der Stadt, dass alle Häuser mit ausreichendem Druck versorgt werden konnten. Besondere Aufmerksamkeit schenkte der damalige Stadtrat der Einbindung des technischen Bauwerks in die Landschaft des Baumgartens. Ein Münchener Architekt entwarf in Anlehnung an das benachbarte Hohe Schloss eine romantische Ruine, die heute sogenannte „Wasserburg“.

 

Die Wasserversorgung des Hohen Schlosses erfolgte ursprünglich unabhängig von der Stadt. In einer frühen Phase wurde das Wasser der Dächer in einer Zisterne gesammelt, deren Fassungsvermögen allerdings nicht ausreichte um Mensch und Tier dort zu versorgen. Wohl erst um das Jahr 1500 schlug man deshalb einen 22 Meter tiefen Brunnen durch den gewachsenen Felsen, einen Schacht, der bis hinunter auf das Niveau der Rittergasse reicht und der dort offenbar einen Grundwasserstrom erreicht.

 

Auf dem Magnusplatz erinnerte man sich des schönen alten Magnusbrunnens, der vor Jahrzehnten schon dem Verkehr weichen musste und dessen gusseiserne Figur etwas verloren in der Nische neben dem Vorzeichen von St. Mang auf seine Rückkehr an seinen alten Standort wartet.

Am Kappenzipfel bewunderten die Teilnehmer schließlich den letzten originalen Brunnen der Wasserversorgung des 19. Jahrhunderts. Er wurde, wie alle heute verschwundenen Brunnen, in Wasseralfingen gegossen und kam nach einer kleinen Odyssee, die ihn bis nach Roßhaupten geführt hatte, nach Füssen zurück. Der damalige Vorsitzende von Alt Füssen, Josef Lorch hatte sich Ende der 70er Jahre für die Rückkehr nach Füssen eingesetzt.

 

Dass der Bereich am heutigen Stadtbrunnen vor 200 Jahren ganz anders ausgesehen hatte als heute, war den meisten Teilnehmern neu. Der Abbruch des alten Rathauses hatte einen Platz geschaffen, dessen Mitte man mit einem filigranen Brunnen im gotischen Stil zierte. Nach dessen unrühmlichen Ende in den 1960er Jahren gestaltete der Füssener Bildhauer Alois Vogler einen neuen, dem damaligen Verkehrsverlauf  angepassten, schlanken Brunnen mit dem Stadtheiligen als Bekrönung. Das nach der Einrichtung der Fußgängerzone zugefügte Becken mindert leider etwas den ursprünglichen künstlerischen Gedanken.

 

Auf dem Brotmarkt gedachte man beim Anblick des Lautenmacherbrunnens an einen der bedeutendsten Lautenmacher, Kaspar Tiefenbrucker und versammelte sich schließlich vor dem neuesten Brunnen, der wieder auf die Initiative einer Bürgerin, Frau Hildegard Schmid entstanden war. Die schlanke, in der Form einer Garbe gestalteten Säule erinnert an die in dem Land  um Füssen heimischen Getreidearten. Die auf der Garbe sitzenden Männer, Bauer, Müller und Bäcker verkörpern an die am Entstehen eines Brotes beteiligten Berufe, sie erinnern auch daran, dass der Weg des täglichen Brotes vom Acker bis zum fertigen Laib ein langer und mitunter mühsamer ist. Angesichts der spärlichen Tropfen, die der Brunnen vergießt kam die Anregung, den Hahn doch etwas weiter aufzudrehen.

 

Insgesamt war dieser Hoagarte von Alt Füssen ein zwar feuchter, nichtsdestoweniger unterhaltsamer Weg durch unsere liebenswerte Stadt und ihre reiche Vergangenheit. Es war den Teilnehmern auch bewusst geworden, dass zu einer intakten urbanen Kultur auch das Wasser gehört und dass es gerade die Brunnen sind, die einer Stadt eine besondere Note verleihen.