Allgäuer Bergnamen

Thaddäus Steiner
Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2007   
ISBN 978-3-89870-389-5   Euro 14,90


Der Philologe, Historiker und Geograph Dr. Thaddäus Steiner ist für „Alt Füssen“ kein Unbekannter. Nicht nur mit seinem Buch über die Namen der Allgäuer Alpen, – den Sommerweiden in den Bergen – und dem Historischen Ortsnamenbuch vom Altlandkreis Füssen hat er sich einen Namen gemacht; auch mit manchem Beitrag in den Jahrespublikationen von „Alt Füssen“ hat er zur historischen Forschung im Füssener Land beigetragen.

Nun ist jüngst seine neueste Arbeit über die Bergnamen im Allgäu erschienen. Es geht hierbei um die Berge als Ganzes, als Markierungs- und Grenzpunkte, nicht nur um Namen von Gipfeln. Dabei zieht er die Grenzen des Allgäus etwas weiter, indem er östlich des Lechs auch die Berge des Ammergebirges in den Gemeindegebieten von Halblech und Schwangau einbezieht. So erfasst er das Ostallgäu vom Auerberg bis zur Hochplatte.

Auf Grund seiner Forschungen ist Steiner ein ausgezeichneter Kenner von Quellen und Archiven zur Geschichte unseres Raumes. Er ist bewandert – im doppelten Sinn – nicht nur im Allgäu, sondern auch in Vorarlberg, Oberschwaben, Tirol und Oberbayern.

Dies wird beispielhaft deutlich an unserer Füssener Gegend, wo schon ganz früh Bergnamen bekannt sind. Der älteste im ganzen Allgäu ist übrigens der des Säulings, der bereits in der Magnus-Vita verzeichnet ist. Er hat nichts mit Sau zu tun, sondern ist mit Säule in Verbindung zu bringen.

Aus der deutschen Sprache des Mittelalters rühren die Namen von Tegelberg und Straußberg. In einer Urkunde des Tiroler Landesarchivs in Innsbruck ist 1330 der Tegerberch verzeichnet; das althochdeutsche Wort  teger meint so viel wie groß, breit. Strauß leitet sich her vom mittelhochdeutschen Wort struz, was Strauch oder Gebüsch bedeutet, das die Südflanke des Bergs noch heute prägt. Auch der Auerberg ist schon ganz früh belegt: Er ist in einem Ottobeurer Chronicon 1167 notiert als Urberc, es ist der Berg bzw. die Bergweide der Auer-Ochsen.

Steiner weist nachdrücklich darauf hin, dass bei weitem nicht alle Allgäuer Bergnamen aus der Neuzeit stammen. Allein 55 sind vor dem Jahr 1500 nachgewiesen. Bei der Namengebung in der Neuzeit spielten zweifellos die Bergformen eine wichtige Rolle. Ein Drittel der Namen lautet auf –kopf. Bei rund 80 Namen zeigt sich – spitz. 35 Namen beinhalten Horn. Die Eck bzw. Egg (=Schneide) findet sich auch häufig. Ca. 50 Namen weisen kein Grundwort auf, z. B. Grünten, Bolgen, Salober. Vergleiche sind ebenfalls Namen gebend: -wand, -grat, Giebel, -gabel, Nadel usw. Dass bei der heutigen Namengebung ortsfremde Landvermesser öfter Namen verbogen haben, ist bekannt, doch auch Volksetymologie hat manches Ursprüngliche seltsam verfälscht. Touristische, späte Namengebung ist relativ selten und kommt meist nur im später erschlossenen und häufig öden Hochgebirge vor.

Die Namensartikel im alphabetischen Namensverzeichnis sind nach folgendem Schema aufgebaut: heutiger Name, Höhenangabe, z. T. kurze Beschreibung des Bergs und seiner Form bzw. Nutzung, frühe Nennungen, historische Wortformen, Namensdeutung, in schwierigen Fällen Vorschläge hierzu. 210 Seiten umfasst das Namensverzeichnis. Dem stehen 20 Seiten Einführung und 10 Seiten Literaturverzeichnis sowie wissenschaftliche Anmerkungen gegenüber.

Der Autor hat sich einer immensen Arbeit unterzogen und dabei nicht nur ein Buch für Sprachforscher verfasst. Es ist ein Nachschlagebuch für Berg- und Heimatfreunde entstanden. Dass es Verlage, Unternehmen und Vereine finanziell gefördert haben, machte sein Erscheinen und seinen moderaten Preis erst möglich.

Eine große Zahl von Bildern illustriert und unterstützt den Text des Buches. Nahezu alle Abbildungen stammen von Dr. Steiner selbst. Sie runden das Werk ab. In jeder Hinsicht verdient es Anerkennung und den Erwerb.

Alfred Wintergerst