Bienenzucht im Allgäu

Von Heinrich Baur, Imkermeister 1954, Ehrenimkermeister des Deutschen Imkerbundes 1979


Vorwort


Der Sinn einer Belegstelle (spezieller Aufstellort für so genannte Begattungsvölker):
Um die Reinheit einer Bienenrasse zu erhalten, ist es notwendig, die jungen Königinnen auf einer Belegstelle zu begatten. Da es verschiedene Bienenrassen gibt, die sich kreuzen können, kann es zu Problemen bezüglich Sanftheit (Aggressivität), Schwarmlust und Honigertrag kommen. Dies kann weitgehend auf einer Belegstelle ausgeschlossen werden.


Die Belegstelle Bleckenau


Nachdem Pfarrer Kneipp, Bad Wörishofen, im Jahre 1870 den Bezirksbienenzucht- und den Obst- und Gartenbauverein gegründet hatte, blühte der Verein während seiner Vorstandschaft (1870-1876) auf. Der Ruf nach einer Belegstelle wurde laut, obwohl andere schon bestanden (s. Dr. Junginger in Band 17, Seite 183 in den Kaufbeurer Geschichtsblättern). Dr. Jungingers Großvater war Gründungsmitglied des Vereins 1870. Besonders der damalige Bezirksvorsitzende Anton Bernhard tat sich hervor und gründete eine Belegstelle im Königsberger Forst bei Aschtal. Diese wurde aber von den Imkern nicht angenommen. Erst unter dem Vorstand Apotheker Ernst Hermann (1943-1968) wurde eine vereinseigene Belegstelle beschlossen und dazu der Dominikusschlag ausgesucht. Der Forst gehörte zum Forstamt Kaufbeuren, liegt zwischen Mooshütte und Bießenhofen und ist über Bießenhofen zu erreichen. Die Belegstelle war sehr abgelegen und nur zu Fuß erreichbar. Der eigentliche Grund zu ihrer Schaffung war der, dass die dunkle Nigrabiene abgeschafft werden sollte, weil die graue Carnikabiene besser war. Nach Anbringung einer entsprechenden Umzäunung des zugewiesenen Platzes wurde eine Holzhütte für die Vatervölker erstellt, um dann junge, unbegattete Königinnen der Carnika ohne Drohnen einzusetzen. Zur Flugzeit der Königinnen durfte die Belegstelle nicht betreten werden. Das ging längere Zeit gut, bis sich in geringer Nähe ein fremder Imker einrichtete. Trotz Rücksprache mit dem Landrat in Marktoberdorf, Herrn Pinnegger, gab es seinerzeit keine Möglichkeit, den Störenfried zu vertreiben. Es wurde darauf mit den Kreisvorsitzenden von Marktoberdorf und Füssen verhandelt. Der damalige Kreisvorsitzende der Imker des Landkreises Füssen, Oberlehrer Grimminger, und der Kreisvorsitzende von Marktoberdorf Dauner, und ich als Kreisvorsitzender von Kaufbeuren wollten deshalb nach Rücksprache mit der bayerischen Landesanstalt für Bienenzucht eine Gebirgsbelegstelle mit entsprechendem Schutzgürtel schaffen. Das Forstamt Füssen war durch die Fürsprache des Herrn Grimminger bereit uns aufzunehmen. Das Gelände bei dem königlichen Forsthaus Bleckenau schien günstig.

In den Landtagsabgeordneten Erwin Seitz, Obergermaringen, und Richard Wengenmayr, Marktoberdorf, hatten wir Fürsprecher im bayerischen Landtag. Auch die bayerische Landesanstalt für Bienenzucht in Erlangen befürwortete unser Vorhaben.

Das königliche Jagdhaus in der Bleckenau liegt ca. 3 km östlich von Neuschwanstein im Quellbereich der Pöllat, die hinter dem Schloss ins Tal fließt. Zur Bleckenau führt eine Straße, die König Ludwig II. bei seinen nächtlichen Fahrten über das Ammertal nach Schloss Linderhof befuhr. Die Straße ist für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt.

Wir brauchten also eine Sondergenehmigung für unsere Fahrzeuge, die wir zunächst erhielten, bis uns der Wirt der Bleckenau mit seinem Fahrzeug mitnahm. Das vorgesehene Gelände für die einzurichtende  Belegstelle war eingezäunt und lag ca. 150 m südlich der Bleckenau.

Am 28. August 1961 wurde die Belegstelle By. R. B. 62 anerkannt und durch inzwischen erlassene Schutzbestimmungen gegen Zuwanderung abgesichert. Zugleich erfolgte ein entsprechender Vertrag mit dem Forstamt Hohenschwangau.

Die Füssener Imker Brömauer, Peresson, Hipp und Christa, sowie Seidel, März, Straubinger und Schabel arbeiteten unermüdlich für den Aufbau. Der Imkermeister Ludwig Socher wurde Belegstellenleiter und der Riedener Imker Müller, sowie Herr Huber aus Roßhaupten unterstützten ihn als Belegstellenwarte dabei. Der Kreisverband Kaufbeuren überführte die Belegstellenhütte und das notwendige Inventar in die Bleckenau. Auch erstellte er einen Zuchtplan für die Imker der Kreisverbände, der eine viermalige Anlieferung von Königinnen auf die Belegstelle vorsah.

Als im Jahre 1973 unter dem Innenminister Dr. Merk eine Gebietsreform angeordnet wurde, in deren Folge die Landratsämter Füssen, Marktoberdorf und Kaufbeuren aufgelöst wurden und der Landkreis Ostallgäu mit dem Sitz in Marktoberdorf entstand, gab es nur noch einen Imkerkreisvorsitz für das Ostallgäu. Die Wahl fiel auf mich. Otto Fuchs und der Pfarrer von Memholz als Gründer des Allgäuer Imkertages gaben mir gute Ratschläge. Der Kreisvorsitzende von Kempten, Otto Fuchs, verstarb leider am 9. Januar 1967. Imkermeister Ludwig Socher als Belegstellenleiter und Engelbert Peresson als Belegstellenwart führten die Belegstelle. Als Peresson 1967 verstarb, übernahm auf Vorschlag des Hans Grimminger die ganze Belegstellenarbeit Herr Socher. 1964 wurde ich in den Vorstand des Landesverbandes berufen und konnte deshalb für die Belegstelle neben meinem Beruf als Kaufmann nicht mehr die notwendige Zeit aufbringen.

1974-1979 erbot sich Herr Rektor Krehut, Seeg, die Leitung der Belegstelle zu übernehmen. Ab dem Jahre 1980 leitete sie für 16 Jahre Imkermeister Ludwig Socher. Die Aufgaben für den Leiter waren inzwischen viel schwieriger geworden. Die Erweiterung des Schutzgürtels, die Beschaffung von isolierten Schutzkästen, die Aufbewahrung derselben außerhalb der Benützungszeit, die Erhöhung der Pacht- und Beförderungspreise, der wachsende Schriftverkehr, um nur einige Punkte anzuführen, ließen die Arbeit des Belegstellenleiters sehr wachsen.

Die Frequentierung der Belegstelle mit über 1000 Königinnen verlangte die Beschaffung von isolierten Schutzkästen. Der Lehrer an der Imkerschule Schwaben, Imkermeister Bergmaier, übernahm die angeordnete Ausweitung des Schutzgürtels im Raum Füssen. Imkermeister Ludwig Socher, der gute Beziehungen zu den Tiroler Imkern besaß, betreute sogar das Gebiet bis Reutte. Die Imker Ludwig Wachter, Hörmannshofen, und Josef Kreuzer, Oberbeuren, fertigten als Schreiner die notwendigen Geräte. Ihrer wollen wir dankbar gedenken. Ebenso des Kassiers des Kreisverbandes Ostallgäu, des pensionierten Bankfachmannes Franz Mrasek, der eine große Hilfe war.

Es war unser Ehrgeiz, den Imkern unsere Belegstelle ohne Nebenkosten zur Verfügung zu stellen, um die Zucht der Carnika zu fördern. Dabei hatten wir unter den klimatischen Verhältnissen im Gebirge zu leiden. Um die anfallenden Kosten für die Zukunft zu decken, wird seit dem Jahr 2000 eine Gebühr für Königinnen und Transporte erhoben.
Seit 1997 ist Kurt Sattelberger Belegstellenleiter der Bleckenau.



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