Der Lech im Gebirge. Lechkiesel erzählen eine geologische Heimatgeschichte

Peter Nasemann
Edition Koch Höfen/Tirol 2007   
ISBN 978-3-85445-500-4;   Euro 29,10


In einem gemeinsamen Vorwort sprechen der Bezirkshauptmann von Reutte/Tirol und der Landrat des Ostallgäus vom Lechtal als einem eindrucksvollen Naturraum und nennen den Fluss eine Lebensader, welche die beiden Regionen Außerfern und Ostallgäu verbindet. Sie würdigen so den Gegenstand von Peter Nasemanns geologischer Heimatgeschichte.

Der Autor ist in Füssen aufgewachsen; Familienbande reichen ins Tiroler Lechtal. Seit 1982 wirkt er als Gymnasiallehrer für Geographie und Sport am Gymnasium Hohenschwangau. Vorher lehrte er an einem Gymnasium in Kempten. Seither pflegt er engen Kontakt mit dem aus Kempten stammenden Hochschulgeologen Dr. Herbert Scholz, der in der Nachfolge seines Vaters Hugo dessen Werden der Allgäuer Landschaft ergänzt und aktualisiert hat.

Peter Nasemann hat sich schon in zahlreichen Arbeiten und vielen Vorträgen – auch für „Alt Füssen“ – mit der Natur- und Kulturlandschaft rund um Füssen beschäftigt. Dabei beschränkte er sich nie nur auf die physische Naturgeographie, er hat stets den Menschen als gestaltendes, wesentliches Element im Auge. Als Fachmann ist er in verschiedenen Gremien um einen Ausgleich von Natur und Menschenwerk (Kultur) bemüht.

Das Lechtal kennt er aus den verschiedensten Perspektiven, als Tourengeher, als Drachen- und Gleitschirmflieger und auch als Kanute auf dem Fluss. P. Nasemann ist somit der geeignete Verfasser für ein Werk über das Lechtal, seiner Erdgeschichte wie auch seines heutigen Erscheinungsbildes. Unter Lech im Gebirge versteht er den Flusslauf von der Quelle bis in die Gegend von Lechbruck, wo die Gebirgsbildung in der gefalteten Molasse, z. B. des Senkeles, ausläuft.

Auf anschauliche Weise schildert der Autor die Entstehung der Alpen und ihrer Gebirgsformen. Er zeigt auf, wo man etwas darüber entdecken kann, an Felswänden oder auf Kiesbänken. Was Vater und Sohn Scholz großräumig für das Allgäu erläutert hatten, wird hier im Lechtal im Einzelnen fassbar. Nasemann erklärt begreifbar – auch auf Grund von Studienfahrten weltweit – wie die unterschiedlichen Gesteinsformationen entstanden sind. Ihre Überformung durch die Eiszeiten erörtert der Autor geschickt, kann er doch z. B. Erfahrungen einer Grönlanderkundung, an der er mit Dr. H. Scholz teilnahm, einfließen lassen.

Für den Füssener von besonderem Interesse sind die Abschnitte über die Lechschlucht mit dem Lechfall, den Forggensee und die Illasbergschlucht. Auch der Schwanseepark und das Naturschutzgebiet Bannwaldsee werden im Zusammenhang mit der Erdgeschichte betrachtet.

Beeindruckend wird über Flussbegradigungen und -verbauungen referiert, denn Hochwasser zeigten immer wieder die Gewalt der Natur. Die Menschen leben ja nicht nur am Fluss, sondern auch vom Fluss.

Ein abschließender Abschnitt des Buches macht Vorschläge, den Lech in der Landschaft zu erleben. So werden Touren bei Holzgau und auf den Säuling beschrieben, eine Radtour von Steeg nach Lechbruck vorgeschlagen sowie Hinweise für Gleitschirmflieger und Wassersportler gegeben.

Wer weiterführende Literatur sucht, bekommt am Ende des Werkes eine überschaubare Auswahl geboten. Ein Register erübrigt sich, da die Inhaltsangaben am Anfang des Buches übersichtlich gegliedert sind.

Eine besondere Hervorhebung verdient die reiche Bebilderung dieser Heimatgeschichte vom Lechtal im Gebirge. Sie enthält eine Fülle nicht nur schöner, sondern vor allem auch zweckdienlicher Fotos, Karten, Skizzen und Zeichnungen. Bis auf vier Bilder stammen übrigens alle aus dem Geoarchiv von Peter Nasemann selbst.

Und noch etwas ist bemerkenswert: Die Herstellung (Gestaltung & Layout sowie Druck & Produktion) des gelungenen und repräsentativen Werkes lag ausschließlich in den Händen von Firmen aus dem Außerfern und dem Ostallgäu. Auch dies könnte zu einem Kauf anregen.



Alfred Wintergerst