IN MEMORIAM

Rosemarie Schmidt

11. November 1921 - 16. Juli 2007



Wann immer der Historische Verein Alt Füssen auftrat, war sie dabei. Seit gut drei Jahrzehnten waren „Hoagarte“, Exkursionen und Viertagesfahrt ohne ihre hellwache, kritische Begleitung nicht denkbar.
Meist in Wanderkleidung und mit Rucksack sah sie sich selbst als fotografierende Chronistin von Alt Füssen. Seit ihrem Eintritt in den Verein am 9. August 1977 hat sie auf allen Fahrten fotografiert, die Bilder in dicke Alben geklebt und beschriftet. Bei den Beschriftungen hatte sie manchmal Probleme. Dann kam ein Anruf: „Hör mal, ich brauch´ deine Hilfe! Wo war denn das, wo….“ Und dann ihre Entschuldigung: „Ihr habt´s gut, ihr könnt bei den Führungen schön zuhören, aber ich, ich muss ja immer fotografieren“.
Sie hatte ein gutes Auge. Vor allem ihre Innenaufnahmen von Kirchen, für die sie nie ein Blitzlichtgerät verwendete, sind in hohem Maße atmosphärisch.

Geboren wurde Rosemarie Schmidt am 11. November 1921. Die von ihr gewünschte Berufsausbildung, welche am Krieg und den folgenden Jahren scheiterte, in denen das schiere Überleben wichtiger war als ein schöngeistiges Studium.
Im Jahre 1960 kam sie als Fachlehrerin für Stenographie und Maschinenschreiben an die damals junge „Staatliche Mittelschule“ in Füssen, heute „Staatliche Realschule“ bzw. „Johann-Jakob-Herkomer-Schule. Sie war eine strenge, aber gerechte Pädagogin, der Kollegen und Schüler gleichermaßen mit Respekt begegneten.
In ihrer Freizeit zeichnete und sang sie gerne. Sie schrieb auch Gedichte, ließ an ihren literarischen Erzeugnissen jedoch niemanden teilhaben.
Ihre große Liebe galt den Bergen. Stundenlang konnte sie über ihre Erlebnisse in allen denkbaren Gebieten der Alpen berichten.
Ihren Lebensweg beschloss Rosemarie Schmidt am 16. Juli 2007.

Als vor Jahrzehnten ihre Mutter verstorben war, kaufte Rosemarie Schmidt im Waldfriedhof eine unter hohen Fichten schön gelegene Grabstätte an der östlichen Ummauerung.
Das von einem Kupferdach geschützte Grabkreuz war nach einem Südtiroler Vorbild und ihrem eigenen Entwurf entstanden. Ihren Namen und ihr Geburtsdatum hatte sie schon damals in das Holz schneiden lassen. Sie war sich ihrer Endlichkeit immer bewusst gewesen und hatte sich, so furchtlos wie sie im Leben war, stets furchtlos auch mit den letzten Dingen auseinandergesetzt.
Ein vor langer Zeit von ihr neben dem Kreuz gepflanztes, zwergwüchsiges Laubbäumchen hebt das Grab in den Rang eines Kunstwerkes.
Vor ihrer letzten Ruhestätte stehend, reicht der Blick über Mauer und Lech bis hinüber zu den Bergen, die sie zeit ihres Lebens so geliebt hat.
Hunderte von Lichtbildern und wohl ein Dutzend Alben voll von Alt Füssen Bildern zählen heute zum Bestand unseres Archivs im Anton Sturm Haus.
Mit ihrer künstlerischen Hinterlassenschaft hat sich Rosemarie Schmidt ein immerwährendes Denkmal gesetzt.


Magnus Peresson