Von Magnus Peresson, Füssen
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Stand der Forschung
Frischer Wind
Die Linienführung
Rechtliches
Die Häuser unter den Bögen
Anmerkungen
Literaturnachweis
| Via-Claudia-Augusta.pdf | 0.9 M |
Vorwort
Seit ich im Frühjahr 1969 – damals noch als Student – anhand der von Richard Knussert in seinem Buch „Das Füssener Land in früher Zeit“ publizierten Bilder
der Via Claudia Augusta ebendiese römische Straße im abgesenkten Forggensee gesucht, gefunden und gegangen hatte, blieb das Interesse für antike Straßen im allgemeinen und diese im besonderen.
Zum Interesse kam das Streben, die von Knussert erfundene Sichtweise, das älteste Bauwerk im Füssener Land in den verschiedenen Stadien der Überflutung im Bild festzuhalten, fortzuführen. Die Aufnahme von Bildern
mit lehrhafter Aussage (wie der sich gerade noch über dem Wasserspiegel erhebende Straßendamm oder die links und rechts der Straße liegenden, bereits überfluteten Materialgruben) war mitunter eine zeitraubende,
wenn nicht mühlselige Angelegenheit. Dies lag daran, dass infolge der weitgehend ebenen Lechterrasse, auf der die Via Claudia Augusta verläuft, die Anhebung des Wasserspiegels von nur 30 cm über Nacht, mit der Überflutung weiter Flächen verbunden ist. Es war also meist nur sehr schwer einzuschätzen, wenn die günstigste Zeit für ein gutes Bild wäre und oft blieb ein Gang durch den See ohne den erwarteten Erfolg. Neben dem Wasserstand galt es, die üblichen Kriterien für ein gutes Bild zu berücksichtigen, etwa klares Morgenlicht mit seinen harten Schatten. Wesentlich aber war stets blauer
Himmel und der ungehinderte Blick auf die im Süden aufragenden Gipfel der Tannheimer Berge.
Die gelungenste Aufnahme der Via Claudia August erschien erstmals in „Das schöne Allgäu“ 1997, drei Jahre später in einem Via Claudia – Kalender. Seither
ist dieses Bild in diversen Zeitschriften und Publikationen erschienen, meist ohne Wissen und Nennung des Bildautors. Das Original, vermutlich anfangs der
90er Jahre entstanden, sei an den Anfang dieser Arbeit gesetzt. Später wurden die im leeren Forggensee gewonnenen Erkenntnisse und eine neue Sichtweise genützt, den Verlauf der Straße zwischen dem Tiefenthal und Sameister kennenzulernen, einmal gar in Begleitung des geist- und kenntnisreichen Rudibert Ettelt. Es folgten schweißtreibende Exkursionen an und über
den Fernpass an dem es damals nicht den geringsten Hinweis auf die dort verlaufenden Altstraßen gab. Dort hatte man anders als in der Ebene und in den sanften Hügeln nördlich von Füssen, die Straße unter genialer
Stand der Forschung
Der große Allgäuer Historiker Franz Ludwig Baumann schrieb in seiner 1883 veröffentlichten „Geschichte des Allgäus“ zu dem Problem römischer Straßen: “Was endlich gar von römischen Alpenstraßen und Saumwegen von Füssen gen Ernberg…gesagt wird, ist ausnahmslos reines Luftgebilde ohne jeglichen wirklichen Hintergrund; solche Alpenstraßen hat es in der Römerzeit nicht gegeben.“ 2)Baumanns kategorische Verneinung der Existenz antiker Straßen in unserem Raum mag als eindrucksvolles Beispiel akademischen Hochmuts und intellektueller Scheuklappenmentaliät gelten.
Nur eine Generation nach Baumann – im Jahre 1909 – beschrieb Kurat Christian Frank in einem Sonderheft der „Deutsche Gaue“ mit großer Sach- und Ortskenntnis den Verlauf der Via Claudia zwischen der Donau und dem Alpenrand. Die mit vielen Karten angereicherte Arbeit blieb lange Zeit ohne Korrektur. Rund zwanzig Jahre später unterzog der spätere Heimatpfleger von Schwaben, Barthl Eberl, den schon von Frank untersuchten Abschnitt einer kritischen Überarbeitung. Seine Erkenntnisse legte er, belegt durch zahlreich Karten und Skizzen, im Jahre 1931 in „Das Schwäbische Museum“ vor und, den Füssener Bereich gesondert, in Alt Füssen 1932. Eberls Darstellung hat – von einigen wenigen Korrekturen abgesehen – bis auf den heutigen Tag Gültigkeit.
Eberls Arbeitsweise war, gemessen an den Möglichkeiten unserer Zeit, in hohem Maße mühsam und bewundernswert. Nach guter mündlicher Tradition fuhr er etwa mit der Eisenbahn von Augsburg nach Lechbruck, marschierte von hier auf der von ihm vermuteten Trasse in Richtung Roßhaupten, um von dort mit der Bahn heimzufahren. Der nächste Abschnitt wurde in ähnlicher Weise angegangen. Dabei mussten derartige Exkursionen entweder im zeitigen Frühjahr lange vor dem Georgitag oder dann im Herbst, zwischen letzter Mahd und erstem Schnee erfolgen. Barthl Ebelrs Gefühl für die Landschaft, sein Blick für Eingriffe in die Topographie oder das Erkennen von Auffälligkeiten im Bewuchs war bis dahin ohne Beispiel. Anders als Christian Frank, der seine Trassenbeschreibung in Faulenbach abschloss, befasste sich Barthl Eberl auch mit dem römischen Lechübergang südwestlich Füssens: „Die Lage der Lechbrücke an einem Punkt zwischen dem Lechfall und dem weißen Haus macht es unzweifelhaft, dass für die südliche Fortsetzung der Straße zum Fernpass allein der Weg über den steilen Kratzer in Betracht kommt.“ 3) Im Beitrag Eberls in Alt Füssen erscheint dieser Passus in leicht abgewandelter bzw. ergänzter Form:
„…dass…allein der Weg über den Kratzer in Betracht kommt. Über ihn führt ja auch eine gute, wenn auch steile uns später sehr zerfahrene Straßenanlage.“ 4)
Im Jahre 1957 beschrieb Richard Knussert die durch den Bau des Forggensees seit 1954 temporär geflutete römische Straße und bestätigte den von Eberl vorgeschlagenen Lechübergang mit unwesentlichen Korrekturen. Das Verdienst Knusserts liegt primär darin, die Via Claudia Augusta in Füssens Umland als erster im Lichtbild festgehalten zu haben. Knussert setzte die Beschreibung der antiken Straße bis zur Ernberger Klause fort. Dies war mit einem gerüttelten Maß an Mut verbunden, da in Tirol die offizielle Forschung den Verlauf einer römischen Straße durch Außerfern und Zwischentoren ausschloss. Das erscheint insofern unverständlich, weil der im Außerfern mit Recht so geschätzten Ignaz Philipp Dengel schon im Jahr 1924 die „alte Römerstraße“ ausdrücklich im Zusammenhang mit der Entstehung Breitenwangs nennt 5) und 1932 Ignaz Mader die Überquerung des Fernpasses durch die Via Claudia absolut korrekt beschreibt. 6)
Frischer Wind
Frischer Wind kam hier erst auf, als in den Jahren 1992 und 1993 der Knüppeldamm untersucht wurde, auf dem die Via Claudia das Lermooser Becken durchquerte. Die Streckenführung schloss nun jeden Zweifel an der Fortsetzung der Straße in Richtung Reutte aus. Die dendrochronologische Auswertung der aufgefundenen Stämme bestätigte die bisher bekannten Daten zum Bau der Via Claudia, die Grabung führte aber auch zu neuen Erkenntnissen hinsichtlich von Planung, Organisation der Baumaßnahme und Bauweise. Weitere Untersuchungen in den Jahren 1995 und 1999 über den Verlauf von Lermoos bis Reutte wurden teilweise etwas zu euphorisch interpretiert, sodass die Auslegungen wohl nicht immer einer erneuten, kritischen Überprüfung standhalten werden. Für erhebliche Verwirrung hat der sonst so gewissenhaft Johannes Pöll sowohl mit seiner Diplomarbeit von 1994 als auch in späteren Beiträgen gesorgt, als er Stieglerberg und Kratzer miteinander verwechselt und so aus einer in Wahrheit frühneuzeitlichen Trasse eine römische machte. 7)
Obwohl der Verlauf der Via Claudia im Regierungsbezirk Schwaben seit den Tagen Franks und Eberls bekannt und unbestritten ist, beschäftigte sich Wolfgang Czysz vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wiederholt mit der römischen Straße. Im Jahre 1987 bestätigte er durch das Setzen eines Meilensteines am Lusalten die durch Barthl Eberl und Richard Knussert vorgelegten Theorien zum Verlauf der antiken Straße im Stadtgebiet von Füssen.
In Südtirol hatte das Interesse für den Verlauf der Via Claudia schon in der Mitte des 20 Jahrhunderts zu aufschlussreichen Diskussionen geführt. Der Bozener Geometer Willy Dondio versucht mit zwei gewichtigen Beiträgen 1973 und 1978 eine ganze Reihe von Irrtümern über die Via Claudia auszuräumen, ein schwieriges Unterfangen, da er zum einen kein Wissenschaftler im klassischen Sinne war und damit nicht „zählte“, zum anderen, weil all die von ihm angesprochenen Irrtümer mit klangvollen Namen Südtiroler Forschung verbunden waren In die gleiche Kerbe hatte aber schon im Jahr 1956 der Südtiroler Ingenieur Richard Hartner-Seberich geschlagen, als das Studium der Karte (!) anmahnte und auch an den „Hausverstand eines Technikers“ appellierte.
8) Von hohem Wert für die Via Claudia-Forschung ist die gediegene Arbeit des Engadiners Armon Planta aus dem Jahre 1980. Auf diverse Grabungen an Schlüsselstellen gestützt beschrieb Planta, auch er ein „Quereinsteiger“, mit großer Sachkenntnis den Verlauf Straße vom obersten Vinschgau bis zu den Gschnallenlenhöffen bei Imst, Plantas beispielhafte, Karten, Profilen und Fotografien angereicherte Ausführungen gestatten es immer wieder, Analogien zum Verlauf der Via Claudia im Füssener Land herzustellen.
Dem Verlauf im Stadtkern von Füssen ist seit den Veröffentlichungen von Frank, Eberl und Knussert nichts Wesentliches anzufügen. Nichtsdestoweniger geistern seit den mitunter etwas fragwürdigen Feierlichkeiten zum 1950jährigen Bestehen der Straße 1997 abenteuerliche Theorien etwa zur Lage der römischen Lechbrücke durch unsere Stadt. Die Markierung der römischen Straßenachse am Stadtbrunnen geriet schließlich zur Posse. 9) Es soll deshalb der Versuch unternommen werden. längst Bekanntes durch neue Erkenntnisse zu untermauern.
Prinzipien zu Trassierung und Bau römischer Straßen
Das Rückgrat römischer Machtentfaltung war ein das gesamte Reich umfassendes Straßennetz. Große Truppenverschiebungen innerhalb erstaunlich kurzer Zeiträume waren nur durch erstklassige, überlegt trassierte und bestens gepflegte Straßen möglich. Für die römischen Straßen galt ohne Ausnahme, dass sie unter Berücksichtigung der großen Distanzen immer die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten herstellten. Für unsere Breiten galt weiter, dass man von Hochwasser gefährdete Talsenken mied, ebenso Lawinenstriche oder von Murbruch bedrohte Bereich. Soweit möglich suchte man die Sonnenseite der Täler zu nutzen und verschatteten Gebieten auszuweichen. Flüsse wurden in der Regel auf steinernen Brücken überquert und dies oft nicht an der engsten Stelle, sondern dort, wo das Flussregime die günstigsten Voraussetzungen bot. Im Gebirge wurde wie in der Ebene der kürzeste Weg gewählt und zwar auch dann, wenn extreme Steigungen in Kauf genommen werden mussten. 10) Es ging nicht darum, bequem voranzukommen, sondern möglichst rasch sein Ziel zu erreichen. Da der Fußgänger, der immer schwer beladen war, nicht mehr als dreißig Kilometer an einem Tag bewältigen konnte, musste jeder auch noch so kleine Umweg vermieden werden.
Im Hinblick auf eine zügige Trassenführung war kein Aufwand zu groß. Kilometerlange und mehrere Meter hohe Dämme wurden in der Poebene zwischen Ostiglia und Verona aufgeschüttet um selbst bei Hochwasser ungehindert fahren zu können. Moore wie das bei Lermoos wurden auf sinnreich konstruierten Knüppeldämmen überquert. Bergkuppen bis zu einer Höhe von rund vierzig Metern wie in Terracina wurden abgetragen und ganze Felsflanken abgemeißelt wie bei Donnaz (Abb. 4) im Aostatal. Durch Schluchten wie in der Via Mala (Abb. 5) und im Eisernen Tor and der Donau wurden aus dem senkrecht aufragenden Fels Halbgalerien ausgehauen, im Extremfall wie am Passo di Furlo gar ein Tunnel.
Allen römischen Straßen ist gemeinsam, dass ihr Verlauf eine bewundernswerte Umsetzung aller Straßenbautheorien und aller Erfahrungen unter Berücksichtigung der Topographie und des Klimas ist. Den Erbauern ist es ohne Ausnahme gelungen, über weite Strecken und im schwierigsten Gelände die jeweilige Ideallinie zu finden, die Voraussetzungen zu schaffen für einen wirtschaftlichen Unterhalt und die Sicherheit der Straßenbenutzer. Nicht umsonst folgen bis auf den heutigen Tag viele moderne Straßen im ehemals Römischen Reich den alten Trassen, in Italien wurden im 19. Jahrhundert nicht wenige Eisenbahnlinien auf römische Straßendämme verlegt. Unabhängig davon, dass überall am Bau römischer Straßen erstklassige Planer und eine Vielzahl von Fachleuten im Einsatz waren, verfügte man immer über eine unbegrenzt Zahl von Hilfskräften.
Ein vielfach unterschätzter Gesichtspunkt bei der Betrachtung des römischen Straßenbaues war das Selbstverständnis und der Stolz der militärischen Führung in eroberten Ländern. In Friedenszeiten, aber auch in jahreszeitlich bedingten Ruhezeiten kam es zu mitunter höchst ungewöhnlichen Unternehmungen, zum einen um die Kräfte der Legionäre zu bändigen, zum anderen in der Absicht, die Bewohner besetzter Gebiete zu beeindrucken, sie durch den Einsatz aller verfügbaren Mittel - Menschen, Material, Logistik etc. – von der Größe des Imperiums zu überzeugen. Dazu konnte der Bau einer Brücke zählen, die weit über das Maß der üblichen Anforderungen an ein derartiges Bauwerk hinaus, zu einem im klassischen Sinne schönen Beispiel römischer Architektur geriet. 11)
Im engeren Umfeld Füssens setzten weder Topographie noch geologische Formationen dem Straßenbau unüberwindbar Hindernisse entgegen, auch wenn der Abschnitt zwischen Kratzer und Füssen mit Rampen und Brücken durchaus hohe Ansprüche an die Straßenbauer stellte. Nördlich Füssens bot die Wasser ableitende Schotterzone entlang des Lechs ideale Voraussetzungen für den Straßenbau. Nicht umsonst verfügt die Lechterrasse östlich von Osterreinen über ein Musterbeispiel antiken Straßenbaues. 12) Wenn in einem begrenzten Gebiet mehrer Straßen oder Wege mit gleichem Ausgangspunkt und dem gleichen Ziel verlaufen, so ist grundsätzlich die bequemste Straße die jüngste, der steilste hingegen ist mit Sicherheit die älteste Verbindung. Diese Erkenntnis trifft sowohl für die Straßen über den Fernpass, als auch die Wege über Kratzer und Stieglerberg zu.
Die Linienführung
Die Via Claudia verband auf dem kürzesten Wege die Stromtäler von Po und Donau. Ausgehend von dem an einem Po-Knie liegenden Ostiglia (lat.Hostilia) folgte die antike Straße den Flüssen Etsch, Inn und Lech, um mit einer Länge von annähern 600 Kilometern die Donau bei den Bughöfen zu erreichen.13 Vom Kniepass kommend durchquerte die Straße einen Ausläufer des Säulingsmassivs, eine Engstelle, die in nachrömischer Zeit die Bezeichnung „im Schluck“ erhielt, führte von hier bis zu einer Felsnase unterhalb des Galmeikopfes, ein Ort, an dem sich bis auf den heutigen Tag ein Bildstock befindet.14 Bis zum Jahre 1910 stand dem Bildstock gegenüber ein altes Wirtshaus, der „Stückwirt“. Es handelt sich hierbei um eine ehemalige Vorspann-Station für den nachfolgenden kleinen Pass, den Kratzer. Die Straße führte nun in einem seichten Bogen bis zu dessen Fußpunkt, wo sich eine kleine, wohl zur früheren Höhlenburg Loch gehörende Wallanlage befindet.
Hier begann ein steiler, etwa dreißig Höhenmeter überwindender Anstieg bis hinauf zum Kratzer, einer Einsattelung unter dem Galmeikopf. Im oberen Drittel
der Rampe lehnt sich ein gotischer Bildstock an die Felswand. Die Steinmetzarbeit ist von hoher Qualität. Der Schaft zeigt den gespaltenen Schild des Hochstiftes Augsburg und dürfte ein ausreichender Beweis dafür sein, dass zur Zeit seiner Entstehung der Verkehr über den Pass lief.15 Die Scheitelstrecke verrät die Handschrift eines Straßenbauers bis auf den heutigen Tag, auch wenn der Bau eines Wirtschaftsweges in jüngster Zeit die Spuren etwas verwischt hat: Von Felstrümmern befreit, das Gelände sorgfältig eingeebnet, war hier genügend Platz für Fuhrwerke, wenn die Rampen im Süden und Norden blockiert waren. Die nördliche Auffahrt wurde zu einem nicht mehr bestimmbaren Zeitpunkt unpassierbar, als ein riesiger Felsblock vom Galmeikopf abscherte und sich über die Trasse legte.16 Dies ist der Grund für den verschlungenen, kaum mehr begangenen Pfad, der das Hindernis umgeht. Bis zum Bau des erwähnten Wirtschaftsweges trieben die Pinswanger Bauern ihr Vieh hier auf die am Kratzerfuß gelegenen Weideflächen. Im Bereich der Viehweide, die zwischen Bundesstraße und Lechbett liegt und die der Stadt Füssen gehört, zeigt sich unmittelbar an einem alten Uferstück das Profil der Straße vergleichbar mit dem Abschnitt östlich Osterreinens. In der Verlängerung des dem alten Ufer folgenden, leicht gekrümmten Straßenstücks liegt jenseits des Lechs, auf seiner orografisch linken Seite, die“Hangende Wand“, ein mächtiger, vor dem Vilser Berg liegender, aber mit diesem zusammenhängender Felsturm, ein in militärisch-strategischer Hinsicht außergewöhnlicher Platz. Es kann keinen Zweifel darüber geben, dass die Via Claudia in dem unschwer einzugrenzenden Bereich zwischen Kratzer und Hangender Wand den Lech überquert haben muss.17 Von der Hangenden wand aus verlief die Straße auf den Schotterbänken am Fuß des Vilser Berges in Richtung Füssen. Die war in antiker Zeit ohne nennenswerte Überflutungsgefahr möglich, weil die Lechsohle noch bis zur Erhöhung des Kataraktes am Lusalten 1784-1787 wesentlich tiefer lag als dies heute der Fall ist. Es hätte eines Jahrhunderthochwassers wie im Jahre 2005 bedurft, um die Via Claudia Augusta tragenden Uferbereiche zu überspülen, ein Ereignis, das den Verkehr nur für Stunden oder allenfalls für ein oder zwei Tage behindert hätte. Kurz vor dem Katarakt verließ die Römerstraße
das hier felsige Ufer und stieg in einem heute verschliffenen, noch immer gut sichtbaren Hohlweg zu Sattel hinauf, wo jetzt die Nachbildung eines römischen
Meilensteines den Verlauf der Straße markiert. Die anschließende Senke des Faulenbacher Tales wurde wohl in einem weiten Bogen durchquert. Unterhalb
der „Morisse“ verließ die Via Claudia Faulenbach und führte an der südlichen Baumgartenschulter hinauf bis zur Weißen Villa und von dort weitgehend eben bis zum Kriegerdenkmal. Vor der Weißen Villa existierte bis zu deren Bau ein zur Römerstraße gehörender, vier Meter tief aus dem Felsen gehauener Hohlweg, der für die Anlage des Gartens aufgefüllt wurde.18 Das heutige Baumgartentor nimmt noch immer den Platz des einstigen „Hinteren Tores“ ein. Es verdankt seine Entstehung der Tatsache, dass beim Bau des ersten Mauerringes
unter König Rudolf von Habsburg (vor 1286) die alte Straße immer noch in Gebrauch war und hier in die Stadt führte.19 Vom Hinteren Tor aus senkt sich die Via Claudia auf das Niveau der Stadt. Vom Mesnerhaus aus nahm die Straße die durch den Schlossberg vorgegebene Krümmung auf und schwenkte dann, dem Schattenwurf des Schlossberges ausweichend, endgültig auf die Nord-Süd-Richtung ein. Die Trasse war hier eine Abfolge von harmonisch aufeinander abgestimmten Kurven.
Rechtliches
Römische Straßen wiesen unterschiedliche Breiten auf, nachweisbar sind Schwankungen von 2,50 bis zu mehr als 15,00 Metern. 20) Es mag im Gebirge – etwa auf der Inntalseite des Fernpasses – auch nur einspurig befahrbare Abschnitte mit entsprechenden Ausweichstellen gegeben haben. Östlich von Osterreinen haben die Untersuchungen im Jahre 1953 eine durchschnittliche Breite von rund sieben Metern ergeben. 21) Im normalen Gelände war beiderseits der Fahrbahn ein unbebauter Streifen von zwei bis drei Metern Breite vorhanden, so dass eine römische Straße eine Breite von insgesamt zwölf Metern aufwies. Die begleitenden Seitenstreifen waren notwendig, um bei etwaigen Unfällen die Fahrbahn rasch räumen zu können. Die Einheit von Fahrbahn und Seitenstreifen scheint sich bis auf den heutigen Tag „im Schluck“ bei Pinswang erhalten zu haben und zwar zwischen der oberen und der unteren „Lisse“. Die Trasse einer römischen Straße, also Fahrbahn und Seitenstreifen war Fiskalgut und damit jeglicher privaten Nutzung entzogen. Als mit dem Ende der römischen Herrschaft die staatliche Kontrolle aufgehört hatte zu existieren, waren es die Bischöfe des jungen Christentums, welche die früheren Funktionen der römischen Statthalter übernahmen. Sie residierten in den alten Provinzhauptstädten wie Augsburg, Regensburg oder Chur, sie beließen die Amtsbereiche der früheren Statthalter („Diözese“ ist ein Begriff aus dem römischen Verwaltungswesen) und sie machten sich zum Hüter über Straßen und Brücken. 22) Für den Bischof von Augsburg war die Via Claudia die wichtigste Straße überhaupt, die kürzeste und schnellste Verbindung zum Stuhle Petri, zum Pontifex Maximus.
Karl der Große stellte altes Recht wieder her, die ehemals römischen Staatstraßen wurden Straßen des Heiligen Römischen Reiches. Wie in den rund dreihundert Jahren vorher, so übten die jeweiligen Bischöfe weiterhin die Kontrolle aus. Wie Karls und seiner Nachfolger Reich rund tausend Jahre existierte, so blieben die Trassen im Besitz des Reiches und zwar auch dann, wenn die Straße längst überwachsen, als Straße nicht mehr erkennbar war, schon lange nicht mehr benutzt werden konnte. Reichsland war und blieb unantastbar. Im Umland Füssens gibt es bis auf den heutigen Tag drei Abschnitte, wo die Via Claudia längst aufgegeben, als Grundstück mit eigener Flurnummer aber immer noch im Kataster enthalten und im Grundbuch eingetragen ist.
Das erste Beispiel dieser erstaunlichen Kontinuität liegt im Gemeindegebiet von Pinswang, wo sich ein schmaler Grundstücksstreifen vom Bereich des Gasthofes „Schluxen“ zum ehemaligen „Stückhaus“) zieht. Die Flurkarte belegt zwar eine ganze Reihe schmaler Feldwege, sie orientieren sich alle an der heutigen Flureinteilung. Im Gegensatz zu diesen Wegen, die also entweder parallel zu den Felder verlaufen oder im rechten Winkel dazu, verläuft die Via Claudia in der Diagonalen. Die Straße ist schon längst überwachsen und nicht mehr erkennbar, sie ist Eigentum der Gemeinde, welche die Nutzung den Besitzern der angrenzenden Grundstücke überlässt. 23)
Der zweite Fall ungebrochener Kontinuität über zweitausend Jahre betrifft das in der Gemeinde Rieden liegende „Hinterfeld“ nordöstlich Dietringens. Ausgehend von dem 1987 gesetzten, modernen Meilenstein zieht sich der mächtige, vollständig überwachsene Straßendamm parallel zur Lechschlucht hin. Der Damm besitzt eine eigene Flurnummer, er gehört der Gemeinde Rieden, die ihn, wie in Pinswang, den Anrainern zur Nutzung überlässt. 24)
Das dritte Beispiel liegt in der Gemeinde Roßhaupten und zwar im Bereich der früheren Haarnadelkurve am Aufstieg der alten Bundesstraße vom Tiefenthal zum Steinernen Kreuz. Zwischen der Kurve und der Wallanlage Mangmühle sind die Spuren der Römerstraße im Wald neben dem schmalen Feldweg unübersehbar. Die Flurkarte zeigt hier wie in Pinswang einen schmalen, leicht gewundenen Verlauf. Der Streifen trägt auch hier eine eigene Flurnummer und auch hier ist die Gemeinde Besitzer. 25) Für alle drei beschriebenen Straßenabschnitte trifft zu, dass sie einst römischer Staatsbesitz waren, dass sie im Rahmen der Restitution Karls des Großen Teil des Heiligen Römischen Reiches wurden und dass sie nach dessen Auflösung in das Eigentum der jeweiligen Gemeinde übergingen.
Das prominenteste und zugleich seltsamste Beispiel für die Unverletzlichkeit der antiken Straße aber bietet Augsburg mit der Anlage seines Domes. Noch zu den Zeiten der römischen Herrschaft hatte sich in Augsburg eine christliche Gemeinschaft gebildet. Die früheste Bischofskirche befand sich mit großer Wahrscheinlichkeit in der Nachbarschaft des heutigen Domes. Ein Indiz dafür ist die südlich neben dem Dom liegende Kirche St. Johannes mit einer spätrömischen Taufgrube. Als man die Fundamente für den Dom legte, waren Lage und Richtung durch die in Nord-Süd-Richtung verlaufende Via Claudia und durch städtebauliche Zwänge, über die nichts mehr Konkretes bekannt ist, vorgegeben. Der Bau konnte nur westlich der Straße liegen, die Erschließung erfolgte folglich von Osten, also musste der Chor im Westen liegen. Dies widersprach zwar der heiligen Regel des christlichen Kirchenbaues, wonach jeder Sakralbau geostet, d.h. nach Jerusalem aufgerichtet sein sollte, hier aber nicht zu verwirklichen war. Wachsender Raumbedarf führte in der Mitte des 14. Jahrhunderts zu Überlegungen, den Dom zu vergrößern, das Kirchenschiff zu verlängern. Da man aber den Altarbereich mit Bischofsthron und Krypta und überhaupt die überkommene Anlage in ihrer Gesamtheit schonen wollte, sah der Plan eine Erweiterung nach Osten vor, ein Unternehmen, das auch die Ostung des Domes möglich machen würde. Diese architektonisch und logistisch einfachste Erweiterung des Domes war aber mit den größten Problemen rechtlicher Natur verbunden: Sie bedingte nicht nur den Abbruch mehrer, dem Dom gegenüberliegender Gebäude, sie zog vor allem die Überbauung der Reichsstraße, der ehemaligen Via Claudia nach sich. Zu dieser Zeit war Augsburg längst Reichsstadt und das fromme, aber selbstbewusste Bürgertum wachte eifersüchtig über seine und des Reiches Recht und damit auch über die Unverletzlichkeit der dem Reich gehörenden Straße.
Ehe man schließlich im Jahre 1356 die Erweiterung des Domes nach Osten in Angriff nahm, hatte man eine zwar verständliche, aber doch höchst seltsame Vereinbarung getroffen: Der Bau war möglich unter der Bedingung, dass, wenn dies die Stadt verlangte, die Durchfahrt durch den Dom bleibe. 26) Wie nachhaltig dieses Recht gerade in jenen Zeiten wahrgenommen wurde, da die Bewohner von Augsburg mehrheitlich die Lehre Martin Luthers angenommen hatte und der Bischof nicht mehr in der Stadt residierte, ist gut vorstellbar. Der Baumeister fügte in den neuen Dom und zwar exakt in der Achse der antiken Straße so groß dimensionierte Portale auf Süd- und Nordseite ein, dass es tatsächlich möglich war, auch mit großen Fuhrwerken in den Dom einzufahren. Selbst der spätere Einbau der großen Altaranlage wer dermaßen gestaltet, dass die Fahrt um den neuen Hochaltar und entlang des Kapellenkranzes von einem Portal zum anderen ungehindert stattfinden konnten. 27) Die vorstehenden Ausführungen zum rechtlichen Status und zur Unverletzlichkeit der antiken Straße in nachantiker Zeit sollen die Aufmerksamkeit nun auf den Verlauf der Via Claudia in der Kernstadt von Füssen lenken.
Die Via Claudia Augusta in der Kernstadt von Füssen
Wie im Kapitel „ Die Linienführung“ dargelegt, kam die römische Straße von Faulenbach über den Baumgarten, senkte sich unter Umrundung des Schlossberges zum heutigen Stadtkern und schwenkte dann auf die Nord-Süd-Richtung ein, die sie, im gemessenen Abstand zum Lech, bis zur Mangmühle einhielt. Der kurze Abschnitt zwischen dem Baumgartentor und dem Stadtbrunnen lässt sich in drei sehr unterschiedlich zu bewertende Teilbereich aufschlüsseln:
Die Via Claudia Augusta am Schlossberg zwischen Baumgarten und Mesnerhaus.
Die Strecke zwischen Mesnerhaus und Hutergasse.
Der Abschnitt am Stadtbrunnen
Die Via Claudia Augusta am Schlossberg zwischen Baumgarten und Mesnerhaus
Der Schlossberg ist der östliche Ausläufer eines Höhenzuges, der mit dem Falkenstein beginnt und aus schräg gebanktem Dolomit besteht. 28) Die Topographie des Berges zwischen St. Mang und Hohem Schloss wurde im Laufe der letzten zweitausend Jahre dermaßen stark verändert, dass selbst eine Auswertung aller Fakten eine Rekonstruktion des ursprünglichen Profils fast unmöglich macht. Die zum Lech abfallende Südflanke war wohl von sanft geneigten, mehr oder weniger breiten Bändern und kleinen Felsabbrüchen geprägt. Der Größte Eingriff in die natürliche Struktur erfolgt im Zusammenhang mit der Anlage des Vorplatzes von St. Mang unter Johann Jakob Herkommer, ein weiterer bei der Gestaltung des Kriegerdenkmals. Schon zur Zeit der Trassierung in römischer Zeit musste die Straße bergseitig in den Felsen eingetieft, die Talseite mit kleinen Stützmauern gefestigt werden. Bei der wilden, ohne jede wissenschaftliche Begleitung erfolgten Verlegung einer Erdgasleitung zum Hohen Schloss im November 2007 zeigte sich im Leitungsgraben neben groben, zu Mauerwerk gehörenden Bruchsteinen, auch menschliches Gebein. Der gesamte Hang zwischen Schlossmauer und St. Mang diente einst als Friedhof, vielleicht in ungebrochener Tradition seit den Tagen römischer Besatzung. Der am Weg zur Krypta von St. Mang eingemauerte Florentinius-Gedenkstein mag als Beleg für diese Vermutung dienen. Am Schlossberg wurde aber noch lange nach der Verlegung des Friedhofs in die Krautgärten bei St. Sebastian 1528 bestattet, wie wir aus den Aufzeichnungen des Stadtpfarrers Matthäus Schalk in der Zeit des dreißigjährigen Krieges wissen. 29)
Der gesamte Winkel zwischen dem Kirchturm und dem Pförtchen nach Faulenbach ist in seiner derzeitigen Form noch keine hundert Jahre alt, selbst der Fels am östlichen und am nördlichen Turmfuß hatte zur Zeit Herkommers ein anderes Aussehen.
Die Strecke zwischen Mesnerhaus und Hutergasse
Vom Mesnerhaus an wurde die Via Claudia bergseitig vom Hangfuß des Schlossberges begrenzt. Im ausgehenden Mittelalter, im Zuge der Versteinerung der Städte, spätestens aber in der Zeit Kaiser Maximilians I. war der Platz in der Stadt eng geworden. So begann man, die zwar günstig gelegenen, aber schwer zu bebauenden Grundstücke am steilen Schlossberg zu nutzen. Die Fassaden der Häuser folgten dem Hangfuß, sie erheben sich also genau auf der Begrenzung der antiken Straße. Das Material zum Bau der Häuser entnahm man dem Berg. Die Bauherren waren regelrecht gezwungen, den Berg abzutragen, um überhaupt bebaubaren Grund zu erhalten. In der Regel sind die schmalen gotischen Gebäude im Erdgeschoß oft nur einen Raum tief, um sich dann schon im ersten Obergeschoß um einen weiteren Raum zum Berg hin zu erstrecken.
War die Bergseite der römischen Straße weitgehend dem Hangfuß gefolgt, so verlief die Talseite (heute die Klosterseite) parallel zu dieser von der Natur vorgegebenen Linie. Der bergseitige Radius beträgt annähern 115 Meter. Dass wie ausführlich erläutert, die Straße weder in antiker noch in nachrömischer Zeit überbaut werden durfte, galt auch für das Kloster St. Mang zur Zeit seiner Gründung. Man musste also den Platzbedarf des Kloster (der sich an dem Idealplan eines Benediktinerklosters, dem sogenannten „St. Gallener Klosterplan“ orientierte) mit den unveränderlichen Gegebenheiten der Straße in Einklang bringen: Die Mauern des Klosters, hier die seiner Wirtschaftsgebäude, denn die Klausur lag weiter südwestlich, wurden genau auf die Begrenzung der Straße gesetzt. Da die römischen Straßenbauer die Via Claudia in einem weiten, gleich bleibenden Bogen um den Schlossberg bzw. dessen Hangfuß gebaut hatten, folgte die Klostermauer exakt dieser Linie. Es fällt bei normalem Licht kaum auf, dass die Nordmauer des Klosters nicht in einer Flucht, nicht „nach der Schnur“ gemauerte wurden, wie man das unterstellen würde. Erst bei Sonnenschein und zum richtigen Zeitpunkt verrät der Schattenwurf des Klosterdaches, dass die Mauer und die parallel zu ihr über einem auskragenden Gesims verlaufende Traufe einen eleganten Bogen beschreiben, den Halbkreismesser der römischen Straßentrasse.
Die Via Claudia Augusta am Stadtbrunnen
Der heutige Platz am Stadtbrunnen ist das mehr oder weniger traurige Resultat einer verfehlten Stadtentwicklung, der klägliche Rest einer einst großartigen, städtebaulichen Struktur. Der Stadtplan von 1820 zeigt Füssen mit seinem noch in sich geschlossenen Stadtgrundriss, mit Stadtmauern, Türmen, Brunnen und dem 1837 – 1839 (!) abgebrochenen Rathaus. Der mittelalterliche Rathausplatz war mit Sicherheit ein zum Zeitpunkt der Stadtplanung mit großer Sorgfalt gestalteter Bereich. Die Stadterhebung erfolgt in der Regierungszeit König Rudolfs von Habsburg, in einer Phase unserer Geschichte, in der die Zahl der Stadtgründungen sprunghaft zunahm. Neuere Untersuchungen belegen, dass die mittelalterlichen Städte weniger das Ergebnis organischen Wachstums als vielmehr Produkte bewusster und strenger Planung sind. Für derartige Aufgaben gab es Fachleute, sogenannte „Lokatores“, die unter Berücksichtigung der Topographie, bereits existierender Straßen und sonstiger Gegebenheiten den Grundriss einer Stadt entwarfen und ihn vor Ort in die Wirklichkeit umsetzten. In Füssen hatte sich die Stadtstruktur zu allererst am Verlauf der Via Claudia, an des „Reiches Straße“ zu orientieren, die in jedem Falle die Lage der Hauptstraße vorgab.
Unabhängig von der Lage der beiden Kirchen St. Stephan und St. Mang war der Standort des Rathauses von hohen Bedeutung für das Selbstverständnis und den Stolz der Bürger; es sollte deshalb an der Reichsstraße liegen und in seinem Umgriff ausreichend Platz für die Versammlung seiner Bürger bieten. Die Lokatores wählten mit Bedacht den Platz unterhalb des Schlossberges und zwar dort, wo die Straße in eleganter Führung dem Schatten des Berges auswich und wo von der Straße ein kleiner Weg, die Richtergasse, abzweigte. Es darf vorausgesetzt werden, dass weder mit dem Bau des Rathauses noch mit dem Bau der Bürgerhäuser ein Überbau der Reichsstraße verbunden war. Der Reisende, der künftig die Stadt beim Augsburger Tor betrat, ging über die rund einhundertfünfzig Meter lange und mehr als fünf Meter ansteigende Straße direkt auf das Rathaus zu. Dessen Erdgeschoß bildete eine große, auf mächtigen Pfeilern ruhende, gewölbte Halle. Das Dach krönte ein hoher, schlanker Dachreiter, von dem aus man die Reichenstraße und die nach Norden führende Landstraße überblicken konnte.
Der Stadtplan von 1820 verrät ein Detail, für das es bisher keinen Hinweis in der Literatur gibt: Die drei dem Rathaus gegenüber liegenden Häuser Hutergasse 1 und Reichenstraße 2 – 4 weisen in ihrem straßenseitigen Bereich ein Diagonalenkreuz auf, eine Textur, wie sie auch das Augsburger Tor, das Tor zum Klosterhof und das Gebäude neben der Alten Post, nicht aber die Halle im Rathaus besitzt. Die Textur kennzeichnet unzweifelhaft einen dem öffentlichen Straßenraum zugehörenden Besitz. Das Erdgeschoß der drei Häuser war also durchgängig und damit Teil der am Rathaus vorbeiführenden Straße. Ein Entwässerungsplan aus der Zeit der Kanalisierung Füssens gibt einen Hinweis darauf, dass diese drei Häuser sich ursprünglich in die Flucht der nördlich gelegenen Häuser einfügten, also einst weniger weit in die Straße hineinragten.
Die Häuser unter den Bögen
In seinem 1929 veröffentlichten Aufsatz über die Füssener Hausnamen erwähnt Moritz Schmidt die drei Häuser Hutergasse 1 und Reichenstraße 2 – 4 mit ihren Hausnamen „unter den Bögen“ und stellte fest: „Die Häuser ‚unter den Bögen’ waren im Erdgeschoss mit Bogen überwölbt.“ 30) Fotografie aus der Zeit um 1900 und eigene Untersuchungen belegen, dass sich in den drei genannten Häusern insgesamt acht Bögen von annähern gleicher Breite befanden, je ein Bogen ermöglichte die Einfahrt von Norden und Süden, die restlichen sechs öffneten die Arkadur zum Rathaus hin. Zusammen mit der gewölbten Halle im Erdgeschoß des Rathauses bildete die Arkade eine außergewöhnliche städtebauliche Struktur von hoher urbaner Qualität. Der Arkadengang in den drei Häusern war jedenfalls noch zur Zeit der ersten Vermessung unserer Stadt 1820 öffentlicher Straßenraum und wurde erst später Privatbesitz indem man die Arkaden dem jeweils dahinter liegenden Haus zuschlug. Durch den Einbau von Tür- und Fensterelementen konnte der neue Raum zusammen mit den im Kernhaus gelegenen Gewerbeflächen genützt werden. Ursprünglich, also zur Zeit der Stadtgründung, war es wohl so gewesen, dass die Reichenstraße hier um das Maß des Fassadenversatzes breiter war. Die Straße hatte eine Breite von rund 5,50 Metern, der Versatz misst rund 4,00 Meter; die Straße wies also ursprünglich eine Breite von 9,50 Metern auf und besaß damit einen Wert, der dem der Via Claudia nahe kommt.
Zu welchen Zeitpunkt es den Hausbesitzern erlaubt wurde, die Gebäude über „des Reichs Straße“ zu bauen, ist nicht bekannt. Man könnte dies allerdings jenen turbulenten Jahren unterstellen, in denen Kaiser Maximilian I. mit großem Gefolge in Füssen residierte und alle Häuser bis unter die Dächer mit Gästen belegte waren. Ständiger Platzmangel und die Hoffnung auf zusätzliche Einnahmen mögen der Anlass für solch eine ungewöhnliche Baumaßnahme gewesen sein. Könnte es sein, dass der Kaiser selbst bei einem seiner Aufenthalte die Überbauung der Reichsstraße unter den uns bekannte Bedingungen erlaubte? Das Gebäude mit der Hausnummer 4 besaß bis zu seinem Umbau in den 1950er Jahren ein Walmdach, eine in der mittelalterlichen Dachlandschaft Füssens höchst ungewöhnliche Form. Der Umbau ersetzte den straßenseitigen Walm durch einen gotisierenden, sich ausgezeichnet in das Stadtbild einfügenden Treppengiebel; die Hofseite besitzt nach wie vor die überkommene Dachform.
Bei alleiniger Betrachtung dieses Hauses und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass dieses Gebäude ursprünglich rund 4.00 Meter weniger tief war, also einen annähernd quadratischen Grundriss besaß, ergibt sich in der Rekonstruktion der Dachform eine Pyramide, die klassische Form eines Turmdaches. Gehörte dieser Turm einst zum Rathaus? Waren die einander gegenüber liegenden Gebäude Teil einer uns nicht mehr bekannten städtebaulichen Inszenierung?
Sprachliche Belege für den Verlauf der Via Claudia Augusta im Stadtgebiet Füssens
Wo immer auch alte Straßen im Gelände verlaufen, haben sich in Volkssprache Bezeichnungen wie „Altweg“, „Heidenweg“ oder „Römerstraße“ eingebürgert. Der Altstraßenforscher Armon Planta schrieb zu den sogenannten „Römerwegen“: „Auf Grund jahrelanger Erfahrungen kann man es sich (mit wenigen Ausnahmen) fast zur Regel machen, dass die Bezeichnung römisch eher beweist, dass es sich nicht um eine römische Bauanlage handelt.“31) Diese Erkenntnis gilt auch für den Füssener Bereich. Die „Römerstraße“ über den Stieglerberg widerspricht jedenfalls schon in ihrem Verlauf den Grundsätzen römischer Trassierung. Die „Römerstraße“ entsprang nachweislich der mangelnden Ortskenntnis des Füssener Verlegers Johann Gruber und seiner Fehlinterpretation der Aussagen Barthl Eberls zum Kratzer. 32) Es existieren in Füssen trotzdem sprachliche Zeugnisse für die Existenz der Via Claudia im Stadtgebiet. Zunächst sollten die Begriffe „Straße“ und „Gasse“ von einander abgegrenzt werden. Die „Straße“ war grundsätzlich ein Weg, der über Land verlief. Führte die Straße in eine Ortschaft, wurden sie zur „Gasse“. Als „Gasse“ wurde als ein Weg bezeichnet, der beidseitig begrenzt war. Die Begrenzung bildeten in Stadt und Dorf die Häuser in offener und geschlossener Bauweise. Als „Gasse“ konnte auch ein Weg bezeichnet werden, der links und rechts von Zäunen gerahmt war. In guter Erinnerung ist dem Verfasser die frühere „Viehgasse“ von Schwangau, die vom Dorf zum Tegelberg führte, ein Weg, der eingezäunt und so breit war, dass die Schwangauer beidseits der Gasse, zwischen Weg und Zaun ihre Holzvorräte lagern konnten.
In Schillers „Tell“ erscheint die berühmte „hohle Gasse“ als Weg, dessen Begrenzung der Fels war, dessentwegen es für den von Wilhelm Tell erwarteten Geßler kein Entkommen gab. Die verbreitet Meinung, die Unterscheidung zwischen Gasse und Straße sei abhängig von der Breite oder gar von der Bedeutung oder dem Reichtum der an ihr wohnenden Bürger, ist irrig. Sobald eine Straße einen Ort erreichte, wurde sie im Sprachgebrauch zur Gasse.
Die Reichenstraße
Im Zusammenhang mit der Füssener Bauordnung von 1391 erwähnt Ettelt, dass bei der Anlage von Türen gegen des Reichs Straße drei geschworene städtische Werkleute anwesend sein mussten. Er fährt fort: „Warum gegen die Reichenstraße keine Haustüren gemacht werden durften, ist einigermaßen unklar..“ 33) Ettelts Bemerkung vermittelt Zweierlei: Die Reichenstraße ist nicht die Straße der Reichen, sondern des Reiches Straße, also die ehemalige Via Claudia, sie ist nicht städtischer Besitz, sondern Eigentum des Römischen Reiches. Über die Unverletzlichkeit hatten die geschworenen Werkleute zu wachen, ein öffentliches Amt, das dem des heutigen Feldgeschworenen gleichkam. Die Aufgabe der früheren städtischen Werkleute nimmt heute das Straßenbauamt wahr, das in vergleichbaren Fällen, etwa einer neuen Zufahrt zu einer Bundesstraße oder einer Randsteinabsenkung hinzugezogen werden muss. Wenn im Laufe der Geschichte aus „des Reichs Straße“ allmählich eine „Reichsstraße“ und dann, als man sich der rechtlichen Natur nicht mehr bewusst war, eine Reichenstraße wurde, hat mit den Fakten wenig zu tun. Der Begriff „Reichenstraße“ ist in jedem Falle ein Beleg für die Existenz der Via Claudia mitten in unserer Stadt.
Der Altwig/Altwik
Der alte Name für den in das Stadtgebiet hineinspringenden, das Hohe Schloss tragenden Bergsporn lautete ursprünglich Altwik. Seit der späten Kaiserzeit erhob sich dort ein Kastell für eine Nachschubseinheit der III. Italischen Legion 34), ein Bauwerk, das nach dem Ende der römischen Herrschaft als Steinbruch für den Bau von Kirche und Kloster St. Mang missbraucht wurde. Trotz all der Plünderungen konnte man Jahrhunderte später immer noch die spuren einstiger Bauwerke erkennen. Abt Martin Stempfle von St. Mang wusste noch in der Mitte des 17. Jahrhunderts von einem agger, einem Wall der lange vor seiner Zeit über den Schlossberg verlaufen war.
Steiner bietet in seinem Ortsnamenbuch zwei Deutungen des Namens Altwig oder Altwik. Die erste, die er mit dem lateinischen „vicus“ verknüpft, wäre in freier Übertragung mit „Altstadt“ gleichzusetzen, wäre somit eine Erinnerung an eine frühere Siedlung hoch über der Stadt.
Die zweite Deutung ist aber nicht weniger zutreffend als die erste, im Zusammenhang mit dem Verlauf der Via Claudia jedoch von größerem Gewicht: „Man kann vom belegten ahd. altwiggi ‚callis, Fußweg Bergweg ausgehen…Auch an einen Zusammenhang mit der Via Claudia ist zu denken. Allerdings ergibt sich hier das gleiche Problem. Zum Kastell, das hier vermutlich den Lechübergang sicherte, führte zwar sicher ein Fußweg hinauf, doch dieser war im Vergleich zu den Kastellruinen allzu bedeutungslos. Als dass er für den ganzen Komplex hätte namengebend sein können.“ 35) Die Aussage Steiners bedarf einer kurzen Erläuterung. Für die Lage des heutigen Lechüberganges ist ein römisches Brückenbauwerk absolut auszuschließen. Es gibt auch in der gesamten Literatur keine Ernst zu nehmende Stimme, die für diesen Platz einen Übergang postulieren würde. Das gesamte rechte Lechufer zwischen Roter Wand und heutiger Lechbrücke schließt eine Trassenführung nach römischen Prinzipien aus.
Im Gegensatz zum rechten Ufer, das bis dato nicht einen römerzeitlichen Fund erbracht hat und nicht eine alte Wegspur, bietet das linke Ufer zwischen Hangender Wand und Morisse neben den Resten einer alten Straße auch eine Fülle von römischen Münzen. Es ist auch der Bemerkung Steiners zu widersprechen, dass „sicher ein Fußweg hinauf“ 36) führte. Selbst für den Fall, dass gegen jede Regel römischer Straßenbaukunst in Füssen tatsächlich eine Brücke existiert hätte, dann hätte die Erschließung des Kastells (dessen Aufgabe es war, große Waffen- und Warenverschiebungen an den Limes zu organisieren) über einen Fußweg nicht funktionieren können. Resümierend aber belegt Steiners Analyse des Namens Altwik beides: eine alte Siedlung und eine weit über das Ende der römischen Herrschaft hinaus bestehende, wichtige Straße.
Christoph Böhm hat im Zusammenhang mit seiner scharfsinnigen Etymologie des Ortsnamens Füssen darauf hingewiesen, dass „Altwik“ als ursprünglich lateinischer Ausdruck (altus vicus) gleichbedeutend mit „hohes Dorf“ ist. 37) Ein hoch gelegenes Dorf erforderte aber die Anbindung an eine Straße.
Die Morisse
Als weiterer Beleg für die Weiterführung der Via Claudia über den Baumgarten möge der Flurname „Morisse“ auf das lateinische „murus“=Mauer zurückzuführen sei, dass dieses Wort über die Brücke der romanischen Bevölkerung auf uns zu gekommen sei und soviel wie „altes Mauerwerk“, „Ruine“ bedeute. 38) Ähnliche Formen wie Morisse erscheinen in Südtirol wie „Moritschen“, „Maritschen“ 39) oder ja nach Talschaft „Marotsch“. 40) Am Aufstieg der Via Claudia vom Algunder Brückenpfeiler zur Töll liegt der „Maratscherhof“, ehemals eine Zollstelle. 41)
Ob der Name Morisse einst das im Jahre 1956 entdeckte römische Gebäude am Haus Alatseestraße 6 umschrieb 42)oder verfallende Substruktionen entlang der Rampe zum Baumgarten oder aber beides, was sehr wahrscheinlich ist, bleibt ungewiss. Der Name ist jedenfalls ein unschätzbarer Beleg für die Existenz alter, d.h. römischer Mauern.
Nachtrag
Die Kunst, zweckmäßige und zugleich schöne Straßen zu bauen, geht in Mitteleuropa auf das Volk der Etrusker zurück. In der Nekropole von Cerveteri nordwestlich Roms belegt eine aus dem anstehenden Tuffstein gehauene Straße mit tiefen Geleisen für die Räder der Totenwagen den hohen Stand vorrömischer Straßenbautechnik. Im etruskischen Kernland bei Sovana überwindet die „Cava di San Sebastiano“, ein aus dem Felsen geschlagener Hohlweg mit einer Breite von zwei, hingegen mit einer Tiefe von achtzig Metern den Höhenunterschied zwischen der Stadt der Lebenden und der Stadt der Toten. Die Etrusker brachten mit ihrem reichen kulturellen Erbe auch ihr hochentwickeltes technisches Wissen und die Kunst des Straßenbaues in das römische Reich ein. Die Römer perfektionierten das Straßenwesen dermaßen, dass es bis an die Schwelle des 20. Jahrhunderts zu keiner Verfeinerung mehr kommen konnte.
Erst die seit der Zeit um 1900 einsetzende Motorisierung der Fahrzeuge erforderte neue Planungskriterien und neue Konstruktionsprinzipien. Mit dem Ende der römischen Herrschaft kam auch das Ende des Straßenbaues für lange Zeit. Wenn Straßenbau vereinzelt doch noch stattfand, unterschied er sich nicht vom römischen: mittelalterliche oder neuzeitliche Straßen sind wie ihre antiken Vorgänger konstruiert. Im Gegensatze zur zielgerichteten römischen Trassenführung vermied der spätere Straßenbau tunlichst allzu große Steigungen und verband zu Lasten kurzer Wege in fast kleinlicher Weise auch unbedeutende Örtlichkeiten miteinander. Der Verlust imperialen Denkens schlug sich auch im Gesichtskreis des Menschen nieder; sein Umfeld umfasst bis nahe an unsere Zeit heran nicht mehr als zwei Wegstunden.
In einem 1904 geruckten Handbuch über Straßenbau und Straßenunterhalt wurden die bis dahin gültigen Regeln in übersichtlicher Weis zusammengestellt. Sie könnten auch aus dem Regelwerk eines antiken Straßenbauers stammen. Nachfolgend Auszüge aus dem Handbuch:
1. Allgemeine Anforderungen an eine Straße
Eine gut angelegte Straße soll eine möglichst kurze Verbindung zwischen Anfangs- und Endpunkt bilden, möglichst geringe Steigungen haben und die Fortbewegung von Lasten mit dem Geringsten Arbeitsaufwand ermöglichen. Kreuzungen mit Bächen, Flüssen, Schluchten…sind auf das unbedingt Notwendige zu beschränken
2. Richtpunkte für die Trassierung
Für die horizontale Anordnung einer Weganlage sind zunächst die geologischen Verhältnisse in Betracht zu ziehen. Guter fester Untergrund ist unerlässlich für eine zweckmäßig Straßenführung. Alle Bodenschichten, welche von Quellen stark durchsetzt sind…sind tunlichst zu vermeiden. Sumpfgelände schließt von Anfang an eine günstige Straßenführung aus.
Im Gebirge können Schuttkegel durch Anschneiden den Gleichgewichtszustand verlieren und in Bewegung kommen. Steinschlag = und Schneelawine können den Verkehr auf der Straße gefährden…
Eine weitere Forderung bezweckt die trockene und luftige Lage der Straße. Sonnenseite ist namentlich für Straßen in hügeligem Gelände sehr notwendig, damit sie rasch austrocknen, ebenso ist eine lebhafte Windströmung einem guten Straßenzustand förderlich… Straßenanlagen in der Nähe von Wasserläufen sollen keiner periodischen Überflutung ausgesetzt und deshalb 0,30 - 0,50 Meter über das höchste Hochwasser empor geführt werden. Dient der Straßendamm als Hochwasserbegrenzung, so darf die Sicherung gegen Wasserangriff nicht übersehen werden.
Wichtig ist die Wahl des Krümmungshalbmessers… danach sollten die kleinsten Radien nicht unter 50 Meter angeordnet werden.
Aufriss (Vertikalprojektion)
Grundsatz ist, die Widerstände, welche bei Fortbewegung von Lasten auf einer Straße überwunden werden müssen, tunlichst zu vermindern und zu diesem Zwecke der Straße möglichst geringe Steigung zu geben. Doch darf die Längenentwicklung deshalb nicht allzu groß werden, da in diesem Fall, abgesehen von den größeren Herstellungskosten, der durch die geringer Steigung erzielte Vorteil durch die Mehrlänge des Weges wieder verloren ginge. Man wird im flach geneigten Gelände im Allgemeinen Steigungen von 1 – 3 % anwenden, damit die Fahrzeuge beim Tal fahren nicht gebremst werden müssen und das abfließende Regenwasser keine übergroße, der Straßenbefestigung schädliche Geschwindigkeit annimmt. Steigungen bis zu 3% tragen auch der Leistungsfähigkeit der Zugtier Rechnung, da sie von den Zugtieren auch mit schweren Lasten verhältnismäßig leicht überwunden und von Personenfuhrwerken noch im Trabe genommen werden können… Bei Straßen im Hügelland oder im Gebirge, wo es sich meist um Überschreitung größere Höhenunterschiede handelt, wird man die höchst zulässigen Steigung anwenden; in Bayern bei Staatsstraßen 5, bei Distriktstraßen 7%...
Da die gewöhnliche Belastung der Fuhrwerke bei solchen Straßen ohnehin vermindert werden muss, hat es keinen Wert, unter die Maximalsteigung herabzugehen. Eine solche Maßnahme hätte nur größere Längen der Straße und eine unnütze Vermehrung der im Hügelgelände erforderlichen höheren Kosten zur Folge. Oft lässt man die Steigungen von unten nach oben abnehmen, um die Zugtiere auf länger ansteigenden Straßen nicht zu sehr zu ermüden. Für alle Fälle ist es notwendig, die Steigungen dem Gelände anzupassen, um allzu tiefe Einschnitte und höhere Dammschüttungen zu vermeiden:
3. Planung von Straßen
Die Arbeit beginnt mit dem Aufsuchen der geeignetsten Straßenlinie in zweckentsprechender Höhenlage. Durch eine Ortsbesichtigung an der Hand einer Übersichtskarte werden Richtpunkte für die Möglichkeit eines Straßenzuges gewonnen. Man sucht die in der Karte günstig scheinenden Grenzpunkte, Überkreuzungen von Wegen und Bächen und sonstige Merkmale in der Natur auf den bestimmt hiernach die Richtung den annähernden Verlauf der Straße. Man verfolgt hier gern bestehende Wege, vermeidet dagegen die Durchschneidung wertvoller Grundstücke oder geschlossenen und umzäunten Besitzes. Sumpfiger Boden, auftretende Quellen, Steinbrüche und Kiesgruben lassen oft die ins Auge gefasste Linie als unzweckmäßig erscheinen, während in nächster Nähe von solchen Hindernissen vielleicht eine günstige Linie gefunden werden kann. 43)
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Abb. 1: Die Via Claudia Augusta im Bereich des Forggensees. Der gezeigte Abschnitt liegt östlich von Osterreinen und nördlich des ehemaligen Hofes Waldruh. In der gezeigten Aufstauphase sind die Materialgruben links und rechts bereits mit Wasser gefüllt, so dass nur noch der Damm der römischen Straße sichtbar ist. In der Bildmitte zeigt sich noch immer der leicht verschliffene Querschnitt der archäologischen Grabung aus dem Jahre 1953
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Abb. 2: Die Via Claudia Augusta im Bereich des Forggensees. Während des Aufstaus im gleichen Abschnitt wie in Abbildung 1, hier von der nächst höheren Lechterrasse aus gesehen. Der Wasserstand verdeutlicht die exakt horizontale Schüttung des Dammes.
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Abb. 3: Archäologischer Querschnitt durch die Via Claudia August nördlich des Hofes Waldruh. Im Jahre 1953. Abbildung bei Czysz, Die Römer in Bayern, S. 531
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Abb. 4: Römische Straße Donnaz im Aostatal. Der reißende Fluss, die Dora Baltea, erforderte es hier, den gewachsenen Felsen auf eine Länge von mehr als 200 Metern abzutragen. Zum Andenken an ihre herausragende Leistung beließen die Straßenbauer eine schmale Wandscheibe, die den ursprünglichen Verlauf des Berges zeigt und schlugen ein hohes Portal aus.
Auch der Meilenstein am linken Bildrand ist gewachsener Fels. Ausgehauene Geleise verhinderten ein Rutschen der Fahrzeuge in Richtung Fluss. Wo der Fels es erlaubte, verblieb eine natürliche Brüstung.
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Abb. 5 (links): Römische Straße in der Via Mala. Die Straßenbauer schlugen hier eine Halbgalerie aus dem Felsen. Die zugehörige, talseitige Stützmauer ist größtenteils in die Schlucht abgerutscht. Ähnlich ausgebildet war die Nordrampe
des Kratzers.
Abb. 6 (rechts): Flurkarte von Pinswang (Ausschnitt). Verlauf der Via Claudia Augusta vom Gasthof Schluxen quer durch die Pinswang Flur zum ehemaligen Stückhaus. Die römische Straße ist zwar in der Landschaft nicht mehr erkennbar, existierte aber als Grundstück mit eigener Flurnummer immer noch.
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Abb. 7: Augsburger Stadtplan wohl aus der Zeit um 1600. Der Ausschnitt zeigt das Umfeld des Domes. Die Via Claudia wird durch die Erweiterung des Domes in gotischer Zeit gezwungen in einem weiten Halbkreis dem Bau auszuweichen.
Quelle: Allgäuer Zeitung
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Abb. 8 (links): Augsburg, Blick aus der Maximiliansstraße (= Via Claudia Augusta) auf den Dom. Die beiden Türme gehören dem romanischen Bau an und schlossen diesen nach Osten ab. Der nach 1356 entstandene, hohe Chor versperrte die geradlinige Führung der römischen Straße und zwingt sie, den Dom im Halbkreis zu umrunden. Das Portal mit seinen zwei Toren liegt genau auf der Trasse
der Via Claudia Augusta.
Abb. 9 (rechts): Füssen, Bereich Mesnerhaus – ehem. Kloster St. Mang, Blick nach Osten. Der Schattenwurf der Traufe über dem Wirtschaftstrakt verdeutlicht den konkaven Verlauf der Klostermauer. Die Aufnahme entstand am 21.Juni 2007 gegen 13 Uhr = 12 Uhr Normalzeit.4
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Abb. 10: Füssen, Stadtplan von 1820. Der Ausschnitt gibt den Bereich des ehemaligen Rathauses wieder. Die Häuser „Unter den Bögen“ (Unmittelbar über der Bezeichnung „Hutergasse“ und dem Rathaus gegenüber) belegen durch das eingezeichnete Diagonalenkreuz, dass die so gekennzeichneten Hausteile öffentlicher Straßenraum waren.
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Abb. 11: Füssen, Reichenstraße Zustand nach dem Abbruch des Rathauses.
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Abb. 12 (links): Füssen, ehem. Zächerlhaus, heute Raiffeisenbank im Zustand der Zeit um 1900. Die für das Stadtbild Füssens in hohem Maße ungewöhnliche Form des Daches spricht für die außergewöhnliche Baugeschichte des Gebäudes. Die vier annähernd gleich großen Bögen waren Teile einer einst durch drei Häuser verlaufende Arkade.
Abb. 13 (rechts): Füssen, Haus Hutergasse 1, links daneben Haus Reichenstraße 2, Zustand in der Zeit um 1910. In die ursprünglich offenen Bogenstellungen des Erdgeschosses sind jetzt Fenstertüren eingesetzt. Die Bögen waren annähernd gleich breit. Die Scheitelhöhe aller Bögen befanden sich auf gleichem Niveau, die reine Durchgangshöhe reduzierte sich auf Grund der ansteigenden Reichenstraße in erheblichem Maße.
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Abb. 14: Füssen, ehem. Zächerlhaus, heute Raiffeisenbank, mit dem anfangs der 50er Jahre unter Architekt Oskar Wittek erbauten Treppengiebel. Die abgewalmte, östliche Dachseite, links im Bild, spricht für ein ursprünglich turmartige, zum Rathaus gehörendes Bauwerk.
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Abb. 15: Füssen, ehem. Rathaus. Das lange nach dem Abbruch des Rathauses entstandene Aquarell gibt den ursprünglichen Zustand nur in verzerrter Darstellung wieder. Links zeigt sich das Zächerlhaus mit dem nördlichen Bogen der ehemaligen Arkaden, jetzt zu einem Ladeneingang umgewandelt.
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Abb. 16 (links): Markierung der Via Claudia Augusta am Stadtbrunnen mit der neuen Füssener Zeitrechnung. Quelle: Füssener Blatt Nr. 257 vom Samstag, den 8. November 1997
Abb. 17 (rechts): Verlauf der Via Claudia Augusta über den Stieglerberg nach Richard Knussert in „Das Füssener Land in früher Zeit“ (unterbrochene Linie). Tatsächlicher Verlauf über den Kratzer (durchgehende Linie)
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Abb. 18: Verlauf der Via Claudia Augusta zwischen Pinswang und Füssen, Luftbild ca. 1955. Noch fehlen am orografisch rechten Lechufer die umfangreichen, durch den Kraftwerksbau am Weißhaus verursachten Aufschüttungen und die gravierenden Veränderungen im Lechbett durch die Einrichtung eines Kieswerks. Der Verlauf der römischen Straße und die Lage
der Brücke waren allein vom Fließverhalten des Lechs abhängig. Die Erhöhung des Kataraktes am Lusalten 1784 – 1787 und seine Auswirkungen auf Geschiebe und Regime hat die für die Trassierung der Via Claudia Augusta einst wesentlichen Vorraussetzungen vollständig zerstört.
Anmerkungen
- Dieser Abschnitt muss zu den anspruchsvollsten Teilstrecken der gesamten Trasse gehörte haben. Er ist heute durch einen großen Steinbruch völlig zerstört. Unterhalb dieses Fehlstückes öffnet sich jetzt das Nordportal der Umgehung von Landeck.
- Baumann, S.52.
- Eberl, Die Römerstraße Augsburg – Füssen, S.33.
- Eberl, Die römische Lechstraße, ohne Seitenangabe.
- Siehe Dengel, S. 7.
- Siehe Mader, S. 21 -27.
- In seiner Diplomarbeit 1994 zeigt J. Pöll unter Abbildung 24 eindeutig die Nordrampe des Stieglerberges. Die Bildunterschrift lautet aber: “Wagenspuren am nördlichen Anstieg zum Kratzer bei Unterpinswang.“
- Hartner-Seberich, S. 48.
- Unabhängig davon dass die Markierung der Achse willkürlich gewählt ist –gekennzeichnet ist weder die Achse der Via Claudia noch die der Reichenstraße -, trug die in das Pflaster eingesetzte Granitzeile die
eingehauene Zahl „47/46 v. Chr.“. Nachdem das Füssener Blatt in seiner Ausgabe vom 14.Dezember 1996 von dieser „neuen Zeitrechnung“ berichtet hatte, wurde in Windeseile ein neuer Stein und nun mit korrekter Angabe des Datums angeliefert.Offiziell trug die Schuld der in Wahrheit unschuldige Steinmetz. Die Verantwortlichen feierten den neuen Stein mit einem Gläschen Sekt. - Armon Planta hat für den anstieg von Zams auf den Sattel von Rifenal eine Steigung von 40 Prozent errechnet. Derartige steile Strecken waren für Fuhrwerke nur mit Vorspann, also nur mit zusätzlich vorgespannten Zugtieren, meist Ochsen, zu bewältigen. Aus diesem Grund gab es überall in den Bergen ein ausgeklügeltes Dienstleitstungsnetz.
- Dieser nicht zu unterschätzende Aspekt wurde in neuerer Zeit in dem Roman „Die Brücke am Kwai“ von Pierre Boule eindrucksvoll in Szene gesetzt: Dem Feind zu beweisen, zu welchen Leistungen die eigene Nation in der Lage ist, auch wenn damit dem Feind gedient wird und nicht der eigenen Sache.
- Die Profile der Untersuchung von 1953 sind wiedergegeben Bei Czsy, Dietringen, S. 294.
- Völk, S. 96, hat wohl als erster darauf hingewiesen, dass die Meilenangabe auf dem Stein von Cesio Maggiore entweder abgerundet ist oder auf einer Schätzung beruht. Die Angabe auf dem Rablander Stein ist verstümmelt, sie bricht nach dem zweiten „C“ ab. Außerhofer, S. 13, schreibt: „Der Stein aus Cesio Maggiore gibt die Gesamtstrecke mit CCCL Meilen an. Diese Zahl entspricht bei weitem nicht der tatsächlichen Entfernung, die Straße war im einzelnen wohl noch nicht vermessen.“ Unabhängig von diesen durch nichts zu widerlegenden Feststellungen gefällt sich die einschlägige Forschung (und dies ohne Ausnahme), die Angabe von 350 Meilern unreflektiert zu wiederholen.
- In dem modernen, wie eine Kapelle gebauten Bildstock ist ein aus rotem Hierlatzkalk bestehender Werkstein vermauert, der von mir vermutete Teil eines noch aus der Barockzeit stammenden, klassischen Bildstockes.
- Dieser Bildstock fehlt ob seiner Randlage bisher in jedem
Inventar. Wahrscheinlich war er ein Hoheitszeichen und markierte zur Zeit seiner Entstehung den damaligen Verlauf der Grenze zwischen dem Hochstift Augsburg und Tirol. - Mitteilung von Herrn Peter Nasemann, Hohenschwangau.
- Der Frage des römischen Lechüberganges, der mit Sicherheit mit einer Steinbrücke erfolgte, wird eine weitere Arbeit gewidmet sein. Sie erfordert es, die Ufer und das Fließverhalten von Lech und Vils in antiker Zeit zu rekonstruieren.
- Dem Verfasser liegt ein Schreiben vor, in dem eine Verwandte des Bauherren die Existenz diese Hohlweges bestätigt.
- Die einstige Bedeutung des Hinteren Tores erschließt sich aus einer Erwähnung in dem sogenannten „Göttlichen Recht“ der Bewohner von Pfronten: „Es mügen die von Pfronton zu dem hindern Tor, das da haist das purgk tor einfahren in die statt Füssen…Vermögen sye des nit, so müssen sye faren uf zu dem Richtertor…“ (zitiert nach Schmidt, Sigmund, Alt Füssen 1935, Nr. 17/18). Die Stelle ist so zu verstehen, dass die Pfrontener im Regelfall durch das Vilstal nach Füssen fuhren, also die bessere von zwei Straßen benutzten. Sie kamen folgerichtig vom Lusalten her über die Via Claudia, und betraten die Stadt auf der Höhe des Baumgartens.
- Siehe Schneider, S.37.
- Wie Anmerkung S. 12.
- Zur Rolle der Bischöfe nach dem Ende der römischen Herrschaft, siehe Glaser, S.44 f.
- Diese Erkenntnis verdanke ich dem früheren Bürgermeister von Pinswang, Herrn Florian Wörle. Er hat mir vermutlich im Jahre 1998 entsprechendes Kartenmaterial zugänglich gemacht und meine Forschungen wohlwollend unterstützt.
- Den Hinweis hierfür habe ich schon im Jahre 1987 von Herrn Josef Kleebauer aus Schwangau erhalten. Bürgermeister Maximilian Streif aus Rieden konnte weitere wertvolle Angaben beisteuern.
- Der frühere Bürgermeister von Roßhaupten, Herr Rudolf Zündt, gab diese Information auf einer gemeinsamen Studienfahrt mit den Auerberg-Gemeinden entlang der Via Claudia in Ostiglia im Jahre 1997. Der Flurname lautet „Im Toren“. Der Begriff ist eine auf die Kartographen des frühen 19. Jahrhunderts zurückzuführende Verballhornung eines Wortes, das sie, als Ortsfremde des Dialektes nicht mächtig auf ihre Weise zu deuten versuchten. Sinngemäß bedeutet der Name „in den Dornen“ und ist ein Hinweis darauf, dass weg begleitende Gehölze wie Schlehdorn, Weißdorn und Heckenrose die Trasse überwachsen hatten, ein Zustand, der sich bis in unsere Tage erhalten hat.
- Eine gut lesbare Baugeschichte bietet Norbert Lieb, S. 321 -352.
- Silvester-Seybold, S. 54: „Die Augsburger waren richtig böse über den nunmehr zugemuteten Umweg um den Ostchor und veranlassten einen Ratsbeschluss, dass sie den Dom auf altem Wege mit ihren Karren passieren konnten, wenn nicht gerade Messe war.“ Scherer, S. 54: „Weit reichte der Dom in die alte Handelsstraße hinein, die von nun an in einem großen Bogen gezwungen wird. Bis ins 19. Jahrhundert hinein behielt sich die Stadt als Eigentümerin der Straße ein Durchfahr-Recht durch den Dom vor, von dem des Öfteren Gebrauch gemacht wurde.“
- Zacher, Kartenbeilage.
- Popp, Tagebuch.
- Zit. Schmid, Moritz, Alte Füssener Hausnamen, ohne
Seitenangabe. - Zit. Planta, Verkehrswege, S. 8.
- Johann Gruber war ein rühriger Verleger, der unter Mithilfe Hans Roggenhofers, des Studiendirektors H.E. Müller und des Schriftstellers Carl Ritter von Lama einen Führer über Füssen und Umgebung herausbrachte, im Jahre 1918 gar eine Kriegsausgabe. Gruber beteiligte sich selbst an der Erstellung der dem Büchlein beigegebenen Karten. In der Auflage von 1933, also unmittelbar nach B. Eberls Beschreibung der Via Claudia bis zum Kratzer, erschien in der Karte erstmals die Bezeichnung „Römerstraße“ für den Weg über den Stieglerberg. Höchst bedauerlich verwechselte Gruber – wie Jahrzehnte später Johannes Pöll Kratzer und Stieglerberg, d.h. der Stieglerberg trägt in der Gruber – Karte fälschlich die Bezeichnung „Kratzer“.
- Zit. Ettelt, S.205.
- Werner, S. 243 – 248.
- Zit. Steiner, Ortsnamen, S. 5
- Zit. Steiner, Ortsnamen, S. 5.
- Zit. Böhm I, S. 9.
- Steiner, Ortsnamen, S. 118
- Steiner, Ortsnamen, S. 118.
- Reiter, S. 143.
- Dondio, Stand und Problematik, S. 105
- Der einst populäre Schriftsteller Rudolf Pörtner, der sich zeitweise gerne in Füssen aufgehalten hat und den ich im Jahre 1976 nach einem Vortrag im Gesellenhaus kennenlernen dufte, hatte den Faulenbacher Fund als Augenzeuge erlebt und ihn in seinem einst viel gelesenen Buch „Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit“, S. 258, erwähnt: „So wurden 1956 bei der Unterkellerung eines Hauses in Bad Faulenbach im östlichen Allgäu die Reste einer römischen Villa und darin drei menschliche Skelette gefunden, deren Lage auf ein gewaltsames Ende schließen ließen. Die starke Brandschicht, in die sie eingebettet waren, sowie die Spuren geschmolzenen Schmuckes wiesen darauf hin, dass die Besitzung nach Überwältigung der Eigentümer in Flammen aufgegangen war. Die Alemannen – oder wer sonst den Überfall verübte – müssen bei ihrem Vernichtungswerk freilich gestört worden sein; denn die Toten waren nicht beraubt. Zwei von ihnen trugen noch feinziselierte Armreifen, von denen einer mit Schlangenköpfen geschmückt war.“
- Freytag, S. 12 – 21.
Literaturnachweis
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Dengel, Ignaz Philipp: Beiträge zur ältesten Geschichte von Reutte
Dondio, Willy, Stand und Problematik der Römerstraßenforschung in Südtirol, in: Der Schlern (1973) 2, S. 98 – 108.
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Eberl, Bartholomäus, Die Römerstraße Augsburg – Füssen Via Claudia Augusta, in: Das Schwäbische Museum (1931), S 1 – 34.
Eberl, Bartholomäus, Die römische Lechstraße Via Claudia Augusta von Lechbruck bis Füssen, in Alt Füssen (1932), Nrn. 11/12,13,14
Ettelt, Rudibert, Geschichte der Stadt Füssen, Füssen 1970
Frank, Christian, Altstraßen, in: Bibliothek für Volks- und Heimatkunde, (1909), Sonderheft zu den Deutschen Gauen 78
Freytag, Baurat, Über Straßenbau und Straßenunterhaltung, München, 1914
Glaser, Franz, Frühes Christentum im Alpenraum, Regensburg 1997
Hartner-Seberich, Richard, Die Römerstraße in der Berner Klause, in: Der Schlern, Innsbruck 1956
Knussert, Richard, Das Füssener Land in früher Zeit, Kempten 1955
Lieb, Norbert, Der Augsburger Dom als bauliche Gestalt, in: Schwabenland (1934), S. 321 -352
Mader, Ignaz, Die Fernstraße, in: Tiroler Heimatblätter, Innsbruck 1932, S.21 -27
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