Anton Sturm zum Staunen - und Schmunzeln

AZ 03. 06. 2015

 

Der Historische Verein Alt Füssen gedenkt dem Bildhauer mit einer Führung und einem lockeren Beisammensein.

Warum die Zuhörer aber an einer Stelle schaudern


Er war ein bekannter Bildhauer und genoss wegen seiner außergewöhnlichen künstlerischen Produktion höchstes Ansehen nicht nur in Füssen, sondern weit darüber hinaus. Gemeint ist Anton Sturm. Genau an seinem Geburtstermin feierte der Historische Verein "Alt Füssen" seinen 325. Geburtstag mit einer Führung und einem lockeren Zusammensein im Anton-Sturm-Haus in der Brunnengasse.

Eine Schar von Interessierten fand sich zur Führung ein, die der Vorsitzende des Vereins, Magnus Peresson, seinen Mitgliedern angeboten hatte. In lebendigen Ausführungen wies er darauf hin, dass nicht nur die Engelsgruppe an der Kanzel der St.-Mang-Kirche sowie die Plastiken des Hochaltars und der St.-Mang-Kapelle Aufmerksamkeit und Bewunderung verdienten, sondern beispielsweise auch die von Sturm gestalteten 90 Wangen des Laiengestühls. Viele der Teilnehmer wussten wahrscheinlich nicht, dass nicht nur Matthias Lotter die Medaillons geschaffen hatte, sondern auch Anton Sturm. Man erkennt seine Werke an der stärkeren Plastizität. Im weiteren Verlauf der Führung wurde bei der Betrachtung des Schutzengels an der Seitenwand der Spitalkirche bedauert, dass dieser nicht mehr - wie in früheren Zeiten - auf der Empore steht, wo er seine Flügel voll entfalten konnte. Man müsste nur das Sichtgitter entfernen, dann könnte er wieder seinen alten Standplatz einnehmen.

Wer Anton Sturms Grab im Alten Friedhof sucht, wird es nicht finden. Wenn man aber weiß, dass die Gräber den Häusern der Altstadt zugeordnet waren, kann man daraus ableiten, dass er mit seiner Familie im heutigen "Suitergrab" seine letzte Ruhe fand. Bei der Betrachtung der Immaculata, die man an der Hausfassade der Reichenstraße 22 besichtigen kann, wies Peresson darauf hin, dass schon der einstmalige Füssener Forscher Paul Mertin die Vermutung aufstellte, der Künstler habe dieses Werk für seine Meisterprüfung angefertigt.

Nur wenige Besucher

Zur abendlichen Stunde fanden sich leider nur wenige Besucher im Anton Sturm Haus ein. Eine Reihe von Büchern von der wohlbestallten Bibliothek des Vereins lag auf dem Vortragstisch. Daraus zitierte Peresson eine gezielte Auswahl von Textstellen, die zum Schmunzeln führte, da sie Füssener Persönlichkeiten aus früheren Zeiten beleuchtete. Im Roman "Nebelstochern" von Hans Schütz begegnete man früheren Lehrern des Gymnasiums Füssen mit ihren besonderen Eigenarten. Aus Gerhard Köpfs Roman "Innerfern" erfuhr man von dessen persönlichen Erlebnissen mit der "Hexe vom Bannwaldsee", der geheimnisvollen Dichterin Schneider Lengyel (Gruppe 47). Die Familiensaga "Untreue" von Axel Glöggler offenbart das gesellschaftliche Umfeld seines Vaters, dem Industriezaren, der in Hopfen lebte. Ein leichter Schauder lief über den Rücken, wenn man aus dem Buch "Die Wessobrunner" von Peter Dörfler hörte, dass die Wieskirche nach der Säkularisation abgerissen werden sollte und dieser Frevel nur durch das beherzte Eingreifen der Bauern verhindert werden konnte.

Langweilig wurde der Abend nie, zumal "Blech hoch vier" mit gekonnten Vorträgen immer wieder für musikalische Auflockerungen sorgte. (kb)