Der dickste Band seit 1999

Der historische Verein Alt Füssen hat im vollbesetzten großen Saal des Hotels „Hirsch“ sein Jahrbuch 2006 präsentiert.


Vor über 70 Personen, darunter die Bürgermeister Rudolf Zündt, Roßhaupten, und Bernd Singer, Halblech, begrüßte Vorsitzender Magnus Peresson besonders die Referenten des Abends, welche zugleich Autoren der Zeitschrift sind. Mit Bedauern stellte er die Abwesenheit des Füssener Stadtoberhauptes fest.

Unter den Klängen von Händels „Feuerwerksmusik“ übergaben die Damen Helmer, Waldschmidt und Korn die ersten Exemplare stellvertretend dem Vorstand. Schriftleiter Dr. Christoph Böhm, zugleich humorvoller Moderator des Abends, gab eine kurze Inhaltsübersicht und bedankte sich bei allen Mitarbeitern, besonders Matthias Thalmair und Alfred Wintergerst. Das Jahrbuch enthält elf Aufsätze sowie einen umfangreichen Teil an Vereinsnachrichten. Mit 208 Seiten ist es der dickste Band seit dem Magnusheft 1999.

Der erste Beitrag stammt von Matthias Thalmair, der seine neueste Theorie zu den Ortsnamen von Füssen und Pfronten darlegt. Zusammen mit Peter Zauner publiziert, übersetzt und erläutert er in einem zweiten Aufsatz zwei wichtige mittelalterliche Klosterurkunden (1206) der Abtei St. Mang. Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller erforscht an der Gestalt des ausgewanderten Füsseners Hans Angerer (vor 1627-1650) den Ursprung des berühmten Turiner Geigenbaus. Mit den „Füssener Ansichten“ des Kupferstechers und Radierers Josef Neumann (1860-1931) meldet er sich noch einmal zu Wort. Dieser Aufsatz zeigt alle 34 Originalradierungen des Künstlers, welche sich im Besitz des Stadtarchivs befinden. Er stellt somit einen Katalog der 2006 veranstalteten Sonderausstellung im Museum der Stadt Füssen dar.

Mit farbenprächtigem Bildteil illustriert Herbert Wittmann seine Forschungen über Nikolaus Babel (1643-1728), „Tischler und Bildthauer in Pfrondten“. Hubert Romeder transkribiert und ediert die vergriffene Trauchgauer Ortsgeschichte (1846) des „Schullehrer(s)“ Caspar Birk. Die jüngere Vergangenheit, nämlich „die NSDAP in Stadt und Bezirk Füssen bis 1935“ greift German Penzholz auf.

Im Anschluss an Böhms Inhaltsübersicht stellte Klaus Wankmiller, Rektor der Grundschule Halblech, mittels einer Power-Point-Präsentation seine Forschungen zu 800 Jahren Roßhaupten vor. Böhm selbst erzählte von einem „Politkrimi“, nämlich der „Chronologie des Bürgerbegehrens zur Erhaltung von Freyberggarten und historischem Bahnhofsgebäude“ und Dr. Alois Epple, Türkheim, berichtete kurzweilig über eine Sommerfrische in Füssen aus der Zeit zwischen 1835 und 1847. Abschließend folgte wiederum Klaus Wankmiller mit „300 Jahre Kapelle Maria Steinach“ und „Flur- und Wegkreuze in der Gemeinde Halblech“.

Jedem Jahrbuch liegt die Neuauflage des „Füssener Totentanzes“ von Reinhold Böhm bei. Seine Witwe Helene machte dieses Büchlein zur Erinnerung an ihren 2004 verstorbenen Mann den Vereinsmitgliedern zum Geschenk.