Seit 90 Jahren immer jung
Historischer Verein „Alt Füssen“ feiert mit vielen Gästen Geburtstag
„Wir dürfen im Fürstensaal feiern, dem Raum, der die Prägung der Stadt durch den benediktinischen Geist so deutlich sichtbar macht, von dessen Zerschlagung in der Säkularisation die Stadt sich kaum erholte“, sagte Magnus Peresson. Der Vorsitzende des historischen Vereins „Alt Füssen“ begrüßte die Gäste beim Festakt zum 90-jährigen Bestehen des Vereins.
„Wieder ein neuer Verein“ schrieb das Füssener Blatt 1918, als kurz vor Kriegsende und in dunkler Ahnung der drohenden Katastrophe Bürgermeister Dr. Moser Gleichgesinnte um sich sammelte, blickte Peresson zurück.
Geschichtsforschung, städtebauliche Grundsätze und auch Geselligkeit waren Zweck und Ziel des Vereins, der den Maler Oskar Freiwirth-Lützow zum ersten Vorsitzenden machte und bereits 1925 in Notzeiten zu publizieren begann. Namhafte Persönlichkeiten prägten von Anfang an das Ansehen des Vereins. Neben dem früheren Bürgermeister Dr. Moser etwa Dr. Sigismund Schmidt, Hans Popp, Richard Knussert und Paul Mertin, aber auch Rudibert Ettelt, Sepp Lorch und Reinhold Böhm.
Das Jahrbuch von Alt Füssen hat seit Jahrzehnten einen wissenschaftlich hohen Stellenwert. Noch immer gelte, was Reinhold Böhm zum 70-jährigen Jubiläum als Maxime ausgab: konsequentes Handeln, ob es nun Zustimmung oder Ärger hervorrufe. Der Verein melde sich immer zu Wort, wenn es darum gehe, das kulturelle Erbe zu schützen, etwa beim Lechfall, der bedrohten Stadtmauer oder jüngst der drohenden Verschandelung des Kosterhofs durch einen gläsernen Lift.
Vor eine ganz neue Herausforderung habe den Verein vor wenigen Jahren die Übertragung der Nutzung des Anton-Sturm-Hauses gestellt, so Peresson weiter. Der besondere Dank des Vorsitzenden galt Dr. Hans Ketterl, aber auch den Mitgliedern, die sich aktiv einbrachten. „Denn nun waren auf einmal nicht nur Forscher, sondern tüchtige Handwerker gefragt.“
Bürgermeisterin Uschi Lax ging in ihrer mit großem Applaus bedachten Rede auf die gemeinsame Verantwortung von Verein und Kommune für die kulturelle Tradition als Verpflichtung ein. Heute wie vor 90 Jahren gelte es, Gegenwart und Zukunft aus der Kenntnis der Geschichte zu gestalten. „Die offene Diskussion ist ein Wert an sich“, waren ihre Worte an Bürger, die sich aktiv einbringen und Reibereien nicht scheuen. Die Lebendigkeit des Vereins drücke sich auch im gesellschaftlichen Leben aus. Nicht wegzudenken seien Hoagarte, Kulturfahrten, anspruchsvolle Publikationen und die wissenschaftlichen Vorträge.
Eine großartige Chance für die Kulturstadt Füssen stellt die Landesausstellung 2010 „Bayern und Italien“ dar, bei der „Alt Füssen“ sicher mitwirken werde.
Die Stubenmusik Huber-Jaumann mit Klaus Wankmiller umrahmte die Feier mit alten Weisen. Nach dem Vortrag von Martin Wölzmüller (siehe unten) wurde es Zeit für die Oberinntaler Marend, die typisch ist für Anton Sturms Heimat.
Philomena Willer