Hoagarte bei Alt Füssen über König Ludwig II.


Der Historische Verein Alt Füssen lädt Mitglieder und Interessierte am Montag, 30. Mai, um 20 Uhr zum Hoagarte in den Gotischen Saal des Gesellenhauses ein. Thema des Abends wird König Ludwig II. von Bayern sein, dessen 125. Todestag gedacht werden soll. Seit dem 100. Todestag ist eine Fülle einschlägiger Literatur erschienen und auch heuer scheint die Flut mehr oder weniger guter Bücher nicht zu versiegen. 

Der Abend bei Alt Füssen soll der gewandelten Bewertung des Königs gewidmet sein und den wenigen neuen Erkenntnissen zu Leben und rätselhaftem Tod. Die Lesung soll am 13. Juni mit einer Wanderung durch den Englischen Garten am Schwansee ergänzt und vertieft werden.
Am 27. Juni lädt der Verein zu einer Wanderung über den Frauenstein zum Pindarplatz ein. (mp)

Wo Ludwig Kind war

Alt Füssen Gedenkwanderung am Schwansee in Hohenschwangau mit Magnus Peresson

Auch der Historische Verein Alt Füssen würdigt heuer, 125 Jahre nach seinem Tod, König Ludwig II. So fand eine Gedenkwanderung in den Englischen Garten am Schwansee statt. Die auf die großen deutschen Gartenbauer Karl Ludwig Skell und Peter Joseph Lenne zurückgehende, einmalige Parkanlage zwischen Schloss und See war für den bayerischen Kronprinzen Heimat gewesen. Sie hatte sein Gemüt geprägt und in ihm die Liebe zur Natur geweckt

Mit den wesentlichen Merkmalen eines Gartens im englischen Stil vertraut gemacht, wanderten die Alt-Füssener auf verschlungenen Wegen durch den Park – entlang des Kalten Bachs, vorbei an der Otto-Grotte und am Fischersteig bis zum westlichen Ufer des Schwansees.

An besonders eindrucksvollen Plätzen versuchte Magnus Peresson, sich der Person des Königs mit Hilfe von Augenzeugenberichten zu nähern. Es ergab sich dabei ein Bild, das nur wenig mit dem immer noch weitverbreiteten Image des geisteskranken, menschenfeindlichen Schuldenmachers gemein hat. In Wahrheit, betonte Peresson, habe der bayerische König weitgehend den Erwartungen der überwiegend konservativ eingestellten, katholischen Bayern entsprochen, die im Gegenzug das in Berlin herrschende Blut- und Eisengeschrei regelrecht verabscheuten.

Die Bewohner des Füssener Landes lernten, wo immer sie ihn trafen, einen leutseligen, großzügigen Monarchen kennen, der sich in tiefster Überzeugung als König von Gottes Gnaden sah und in allem, was er tat, versuchte, dieser Stellung gerecht zu werden. Viele Anekdoten ranken sich um das Zusammentreffen überraschter Einheimischer mit Ludwig.

Besonders reizvoll ist nicht nur für Magnus Peresson jene Begebenheit, bei der der unerkannte junge König einen Touristen bereitwillig durch die Räume in Schloss Hohenschwangau führte und sich erst beim Abschied zu erkennen gab. Aufschlussreich, so Peresson weiter, auch die Geschichten um die wilden Ritte des Königs in den Ammergauer Bergen und die Tatsache, dass Ludwig II. eine Galerie seiner Leibpferde malen ließ. Acht dieser Porträts sind in und um Hohenschwangau entstanden.

Soliman am Esstisch


Eines schönen Tages, so erzählte Magnus Peresson, soll der König auf einem seiner Lieblinge, dem feurigen Araberhengst Soliman, bis hinauf zum Älpeleskopf geritten sein. Von dort wollte er zu Fuß ins Tal gehen. Das kluge Pferd fand den Weg nach Hohenschwangau allein und sehr schnell, während der König wohl an die drei Stunden absteigen musste. Soliman „besuchte“ Ludwig II. auch einmal mit umwickelten Hufen im Schloss, bediente sich am noch gedeckten Esstisch und hinterließ einen Haufen dampfender „Äpfel“. (eb)