Majestätische Aussichten Abendspaziergang Historischer Verein Alt Füssen wandelt auf den Spuren des jungen Königs


Füssen Die langen Sommerabende nutzend, hatte der Historische Verein Alt Füssen zu einem Abendspaziergang nach Hohenschwangau geladen. Unter dem Schlossfelsen erinnerte man sich daran, dass der zunehmend verlandende Teich, der sogenannte Wendling, früher wesentlich größer und einst Teil des Alpsees war. König Ludwig liebte den Alpsee. Der damals beste Schwimmer der Umgebung, Mang Anton Müller (Ahnherr der Hotel-Dynastie), lehrte ihn dort das Schwimmen. Am 8. August 1860, kurz vor seinem 15. Geburtstag, schwamm Ludwig von der Kahnhütte in nur 22 Minuten hinüber zur Sperbersau. Im Kahn auf dem Alpsee hatte er das Libretto zu Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ kennengelernt. Im November 1865 ließ er in der Bucht vor der späteren Alpenrose die Ankunft des Schwanenritters in Szene setzen. Sein Freund Paul von Thurn und Taxis gab den Lohengrin, Wagner selbst dirigierte das hinter Fichten verborgene kleine Orchester. Ein künstlicher Schwan zog den Kahn, geführt von einem dünnen Seil.

Der junge König, für den der Vater am Kalten Bach eine Reitbahn nach Art des Circus Maximus und neben dem Stall eine mit Schindeln gedeckte, kreisrunde Reithalle hatte bauen lassen, liebte weite Ritte. Im Stall, in dem heute das Bräustüberl installiert ist, standen für ihn acht edle, in England gekaufte Pferde bereit. Über die von König Maximilian gebauten Reitwege war es ihm möglich, bis weit hinauf in die Berge zu reiten, etwa zum Tegelberg, von wo aus Ludwig gern den Branderschrofen bestieg, oder bis zur Jägerhütte, von der aus er zum Straßberg querte. Manchmal unternahm er Ausritte ohne jede Begleitung und freute sich diebisch, wenn ihn niemand erkannte.

Ludwigs Vater hatte die Umgebung von Schloss Hohenschwangau in ein Gesamtkunstwerk verwandelt. Einen besonderen Rang darin nahm der westlich vom Schloss gelegene Berzenkopf ein mit dem Denkmal für die ehemalige Burg Frauenstein. Hier erinnerte Magnus Peresson daran, dass das Geschlecht der Herren von Schwangau einen bedeutenden Minnesänger hervorgebracht hatte, Hiltebold von Schwangau.


Auf dem Weg zum Alpsee besuchten die Teilnehmer einen verwachsenen Teeplatz der königlichen Familie. Schlusspunkt der Wanderung war der hoch über dem Alpsee gelegene Pindarplatz. Schon Kronprinz Maximilian hatte den ungewöhnlichen Ort entdeckt und ihn zugänglich machen lassen. Die Alt Füssener hatten ihn eben erreicht, als Alphornbläser ihr Konzert gaben und für einen passenden Abschluss sorgten.