Auf der Via Claudia zu Herkommers Kapelle wandern


Füssen Der Historische Verein Alt Füssen lädt Mitglieder und Freunde am Samstag, 27. August, zu einer Wanderung zu Johann Jakob Herkommers Kapelle nach Sameister ein. Der etwa eine Stunde dauernde Weg führt vom Kunstpark Roßhaupten über die Trasse der Via Claudia Augusta nach Sameister. Hier folgt eine Führung durch die von Herkommer geplante und von ihm eigenhändig ausgestattete Kapelle, anschließend eine Einkehr in Herkommers Geburtshaus, in dem neben der Kapelle liegenden Gasthof Adler. Die Abfahrt per Bus erfolgt um 14.30 Uhr am Bahnhof Füssen. (mp)


Alt Füssen wandert auf den Spuren der Römer nach Sameister


Bei Johann Jakob Herkommer und seiner Kapelle, die seine Reise nach Venedig widerspiegelt

Füssen Entlang der Via Claudia Augusta war der Baumeister Johann Jakob Herkommer nach Venedig gewandert, um sich dort an den Kirchenbauten des Architekten Andrea Palladio zu schulen. Unverkennbare Fassadenelemente wie Thermenfenster, Portikus und Kuppel brachte Herkommer mit in die Heimat und errichtete im Auftrag der eigenen Familie gegenüber der Postmeisterei in Sameister bei Roßhaupten einen kleinen, damals als spektakulär empfundenen Kirchenbau. Dieser war das Ziel der etwa eine Stunde dauernden Wanderung von Mitgliedern des Historischen Vereins Alt Füssen.

Auch der Weg nach Sameister war ungewöhnlich: Er verlief vom Ende des Forggensees über den Hartenberg auf der Via Claudia Augusta. Die römische Straße ist hier teilweise noch gut erkennbar, zum einen als überwachsener Damm, zum anderen als eine Reihe mächtiger Bäume, die im Laufe vieler Jahre entlang oder auf der Trasse gewachsen sind. Darüber hinaus wurde der Verlauf durch die Pflanzung der österreichischen Weinbirne in regelmäßigen Abständen kenntlich gemacht. Einen Wermutstropfen gab es auf der Wanderung: Der bis vor wenigen Monaten erhaltene, mustergültige Abschnitt am Hartenberg, wo neben der antiken Trasse eine ganze Reihe von Materialgruben zum Bau der Straße sichtbar waren, existiert nicht mehr; offensichtlich wurde hier durch großflächige Aufschüttungen ein einmaliges Bodendenkmal vernichtet.



In Sameister bewunderten die Alt Füssener zuerst den Herkommerbau von außen, hatten sie doch das unmittelbare Vorbild der Fassaden, die Kirche Le Zitelle in Venedig, während der großen Fahrt im vergangenen Jahr mit eigenen Augen gesehen. Johann Jakob Herkommer hatte, so Magnus Peresson, die kleine Kirche weitgehend eigenhändig errichtet. Unabhängig von der Planung beteiligte sich der Baumeister an allen Arbeiten, will sagen, dass er nicht nur selbst an dem Bau mauerte, sondern neben den Stuckarbeiten auch die gesamte Ausmalung besorgte. Aus seiner Hand stammen auch zwei Büsten aus Sandstein, die ihn selbst, in venezianischer Manier gekleidet, und seinen Bruder Isaak zeigen. Hinter dem Altar liegt ein sogenanntes Heiliges Grab; der Zugang ist bewusst so eng und niedrig gehalten, dass der Besucher nur in gebückter Haltung den Raum erreichen kann.

Nach seinem Tod im Oktober 1717 wurde Herkommer unter dem Kirchengestühl bestattet, das Grab aber mit einem noch von ihm selbst gehauenen Stein gedeckt.

Der an einer stark frequentierten Straße gelegene, damals ungewöhnliche Sakralbau brachte dem Baumeister zahlreiche honorige Aufträge ein, etwa den gesamten Umbau des Klosters St. Mang in Füssen oder die Kirchen St. Moritz in Augsburg und den Dom St. Jakob in Innsbruck. (eb)