++ 29.04.2006, Füssener Blatt ++
Ein Fluss, ein Saal und eine Statue
Neues Jahrbuch des Historischen Vereins „Alt Füssen“
Füssen (wil). - Das Jahrbuch 2005 des historischen Historischen Vereins „Alt Füssen“, 188 Seiten stark, wartet wieder mit interessanten Forschungsergebnissen und vielen Seiten Bildmaterial auf. Der Leiter des Projekts, Dr. Christoph Böhm, trug dazu die Deutung des Ortsnamens Zirl, des römischen Teriolis, bei. Redakteur Matthias Thalmair befasst sich mit dem Lech als „wölfisch-wildem“ Fluss und geht über die als verwegen bekannten Likatier und über das Lateinische bis auf das griechische Lycos für „wild, wolfsgleich und ungezähmt“ zurück.
Herbert Wittmann begibt sich in seiner reich bebilderten Dokumentation auf Spurensuche nach den ersten Bildhauern der Pfrontener Schule im 17. Jahrhundert. Peter Babel (1601 bis 1691) und Martin Schneider ( 1608 bis 1664) waren ungeheuer produktiv, Schwierigkeiten macht jedoch die Zuschreibung der Werke. Peter Babel, Vater des berühmteren Nikolaus Babel, der Unternehmer und Kunstschreiner, lieferte ganze Altarausstattungen. In akribischer Kleinarbeit erschloss Wittmann auch einen Katalog von Werken im Pfrontener und Nesselwanger Gebiet und bis ins Tannheimer Tal, die Schneiders Handschrift tragen.
Auf besondere Aufmerksamkeit dürfte die Untersuchung von Franz Matsche zum so genannten Fürstensaal, dem Festsaal im Kloster St. Mang, als Kaiser- und Reichssaal stoßen. Die minutiös beschriebene Innenarchitektur reiht den Füssener Saal ein in die Festsäle der Residenzen des 17. Jahrhunderts, wie sie in Baden und Franken, in Prag und in Wien zu finden sind. Allerdings sind in Füssen die wohl von Anton Sturm geschaffenen Kaiserstatuen abhanden gekommen.
Später Ruhm dank Pius VI.
Der Kaiser- und Reichssaal war Wegbereiter für den prunkvollsten dieser Säle in Ottobeuren und war mit seiner inhaltsreichen Dekoration, den Aspekten der Wissenschaft und Künste, für Repräsentation wie für den geistig-geistlichen Diskurs gedacht. Zu spätem Ruhm gelangte er 1782 beim Treffen von Papst Pius VI. mit dem Kurfürsten von Trier, dem Fürstbischof von Augsburg und den Fürstäbten von St. Gallen und Kempten.
Bürgertum um 1900
Mit dem Bürgertum um 1900 und dem Verhältnis zu Prinzregent Luitpold befasst sich Anne Goldfuß in der Studie zum Luitpold-Denkmal. Thomas Riedmiller erforschte ergänzend dazu Leben und Wirken von Alois Mayer, dem Füssener Bildhauer, der sich nicht nur hier einen Namen gemacht hat.
Abgeschlossen ist nunmehr Richard Lipps Veröffentlichung der Füssener Chronik des Hans Faigele mit dem Sachregister. Klaus Wankmiller dokumentiert in Wort und Bild die Darstellungen der heiligen Afra im Füssener Land und im Außerfern, das bis 1818 zum Bistum Augsburg gehörte. Als Patronin der Diözese ist Afra hier besonders häufig zu finden. Hubert Romeder hat alle Flur- und Wegekreuze in der Gemeinde Halblech, deren Namen meist nur mündlich überliefert sind, registriert und fotografiert.
Die Magnuslegende
Der Magnuslegende, wie sie der schwäbische Schriftsteller Ludwig Auerbacher Anfang des 19. Jahrhunderts auf romantische Weise erzählte, ist der Beitrag von Alois Epple gewidmet. Ortsnamenforscher Thaddäus Steiner vergleicht die Grenzkarten und Beschreibungen aus vier Jahrhunderten über die Grenze zwischen Bayern und Tirol vom Lech bis zum Roßberg.
Ein etwas ungewöhnlicher Grabungsbericht von Anton Huber beschließt, abgesehen von Interna, den Band. Es geht um den Absturz des legendären englischen Aufklärungsfliegers Adrian Warburton 1944 in Egling an der Paar und die Ausgrabungen an der Unglücksstelle vor einigen Jahren.