++ 13.04.2006, Füssener Blatt ++
Vortrag führt zu Füssens Lagunen
Peter Nasemann blättert bei „Alt Füssen“ im steinernen Geschichtsbuch der Region
Füssen (wil). Im steinernen Geschichtsbuch blätterte Peter Nasemann bei seinem Vortrag beim Verein Alt Füssen: „Gehen wir 200 Millionen Jahre zurück, hier im geologisch kompliziertesten Gebiet der Welt, und wir sind in der Zauberwelt der Atolle und Lagunen.“ Er zeigte Versteinerungen aus den Ablagerungen des Tropenmeers, Muschelkalk vom Säuling mit Korallen und Ammoniten, den einzigartigen in Schlamm gepressten „Schwangauer Fisch“, den einst begehrten Benkener Marmor, bereits an einem römischen Sarkophag in Kempten zu sehen.
Anschaulich wurde die Fülle an Information einige Tage später bei der Exkursion rund um den Kienberg. Die Steinbrüche an der rechten Füssener Lechseite erzählen von den Bauaktivitäten von Kloster und Stadt, vom einstigen Gewerbegebiet am Lech, wo außer Unmengen Holz auch der Kalkstein auf dem Wasserweg transportiert wurde. Sie geben Einblick in die frühe Industriegeschichte mit dem Bau der Hanfwerke und dem kurzen Weg vom nahen Steinbruch zur gut sichtbaren Verarbeitung am alten Gebäude.
„Kompliment an die Schwangauer“, meinte Nasemann beim ersten Höhepunkt der Exkursion, dem Kalkofen nahe Erlisholz: Er wurde mit größter Sachkenntnis restauriert, wie man sich beim Blick ins Innere überzeugen konnte. Den etwa 30 Wanderern war nun verständlich, was schon die Römer hier suchten und nützten, im Zentrum für den Abbau des Wettersteinkalks, der Funde von Marmor, Eisenerz, dem Gips aus den Salzablagerungen, der nicht nur bei den Stuckateuren eine große Rolle spielte.
„Sittenlose Leute“
„Das Steinmaterial wird gewonnen vom benachbarten, der Gemeinde Schwangau gehörigen Alterschrofen, es ist grauer Marmor“, schreibt Pfarrer Berchtold 1869 in seiner Chronik über den Schlossbau von Neuschwanstein und bemängelt: „Der Verkehr mit vielen fremden Arbeitern, davon viele glaubensbankrotte und sittenlose Leute sind, wirkt verderblich auf unsere Leute.“ Heute ist bei dem hervorragend geeigneten Kalkgestein der Partnachschichten, dem so genannten Alterschrofer Marmor, zu sehen, wie die Natur wieder Besitz vom ehemaligen Steinbruch ergriffen hat.
„Wie der englische Landschaftspark am Schwansee machen diese Zeugnisse einstiger Industrie zusammen mit den Schlössern das aus, was die Region als Weltkulturerbe einbringen kann“, erklärte Magnus Peresson. Für Beiträge zur Heimatgeschichte, wie die gewaltige Waffenexplosion im Schwansee bei Kriegsende, sorgte Willi Mayr. Vorbei am Klettergarten beim Kalvarienberg ging es auf dem Königssträßle zur stark eingewachsenen „Kanzel“ mit Blick auf die wenigen Meter, die dem Lech auf deutschem Gebiet noch als Wildfluss gegönnt sind.
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