++ 23.02.2006, Füssener Blatt ++

„Hoagarte“ bei Alt Füssen mit Kultur der heiteren Art

Manche Bürger werden dabei auf die Schippe genommen

Füssen - Seit Jahrzehnten ist es Tradition beim Historischen Verein „Alt Füssen“, im Fasching Kultur der heiteren Art zu betreiben. Vorsitzender Magnus Peresson stellte gleich im Rahmen seiner Begrüßung beim „fröhlichen Hoagarte“ fest, dass bei Kultur der Frauenanteil größer sei als jener der Männer.

Cilly Kahle, Magnus Peresson und Michael Jakob blätterten in alten Dokumenten und Zeitungen. Was da einst geschrieben wurde, lässt schon den Schluss zu, dass am Lech eine besondere Rasse gedeiht. Einige Beispiele: Als 1926 ein Teil der neuen Friedhofsmauer einstürzte, wurde der Föhn als Schuldiger ausgemacht.
„Wegen meiner bevorstehenden Heirat habe ich einige Kilo Liebesbriefe zu verkaufen“, inserierte eine sensible Füssenerin.
Beim Verkauf eines städtischen Waldes am Galgenbichl 1962 waren nachher alle Stadträte dagegen gewesen. Im 16. Jahrhundert sollte eben auf diesem Bichl ein Bösewicht gehängt werden. Wenn er aber eine hier gefürchtete böse Frau zum Weibe nähme, würde er begnadigt. Nachdem er sie kannte, zog er den Strick vor.
Cilly Kahle wusste aus persönlicher Erfahrung zu berichten, dass der Hund vom Bürgermeister Dr. Enzinger den Angestellten öfter die Brotzeit weggefressen hat. Den Hauptpart des fröhlichen „Hoagarte“ bestritten die Damen des katholischen Frauenbundes.

Reichenstraße - Jammerstraße
Sie wiederholten mit Spaß an der Freud, was sie zuvor im Haus der Gebirgsjäger gezeigt hatten: Die Stadtführung durch Erika Gmeiner mit dem Tausch des japanischen Blumenmädchens am Rathaus gegen die doch ehrwürdigere Cilly; die Büste des Pfarrers Kneipp in der Jammerstraße (Einzelhändler der Reichenstraße!) gegen „Lilly, die Verblendete“ oder „Barbara, die Schöne“. Die Notwendigkeit der Errichtung eines Podestes am Schrannenplatz für würdige Füssenerinnen, die ein Denkmal verdient hätten, wurde erkannt. Wo gäbe es denn sonst noch Knöpfe, Reißverschlüsse und Hosengummi? Stadtbaumeister Fürchtegott und der neue Luxusbahnhof bekamen ihr Fett ab.
Wenn aber ein Kurgast am Stadtbrunnen verzweifelt einen Einheimischen nach einem WC fragt, kann die Antwort lauten: „Am Maxsteg - wenn Du es noch schaffst!“ Alles in allem ein netter Nachmittag im Gesellenhaus. Karl Wagner