++ 10.06.2005, Füssener Blatt ++

Schulgeschichte aus erster Hand

Grundschule Füssen feiert 50-jähriges Bestehen - Magnus Peresson erzählt von früher

Füssen (as). - Was haben Rosina aus der Klasse 2a und Magnus Peresson, Vorsitzender des Historischen Vereins Alt Füssen, gemeinsam? Beide starteten ihre Schulkarriere an der Grundschule am Bergerfeld in Füssen, die heuer ihr 50-jähriges Bestehen feiert. Am morgigen Samstag steht neben einem Festakt ein großes Sommerfest ab 14 Uhr auf dem Programm, zu dem alle ehemaligen Schüler eingeladen sind.

Viele Fragen hatten die Buben und Mädchen aus der Klasse 2a auf Lager, als Magnus Peresson, der vor 50 Jahren als Erstklässler das damals neue Schulgebäude "bezog", ihnen einen Besuch abstattete und ihnen viel von seiner Zeit in der Schule erzählte. Die Kinder waren gut vorbereitet: Schließlich hatten sie bereits den Film "Als Oma zur Schule ging" angeschaut, der allen Kindern der Grundschule gezeigt wurde. Wie sahen Mäppchen, Schulranzen oder Stifte früher aus, wollten die Zweitklässler unbedingt wissen.
Und so erzählte Magnus Peresson von seinem alten Schulranzen, den er von seinem Cousin geerbt hatte. "Mein Schulranzen war aus Leder und schon sehr zerrissen. Deshalb habe ich mich geniert, obwohl es keinem anderen Kind aufgefallen ist." Darin befanden sich ein Griffelkasten und eine Schiefertafel. "Und natürlich ganz wichtig der Schwamm, mit dem wir die Tafel wieder reinigten. Damit er auch trocken wurde, hing er an einem Faden befestigt immer aus dem Ranzen raus." Binnur wollte es ganz genau von Peresson wissen: "Hatten Sie früher schon einen Spitzer?" Klar, einen Spitzer hatten die Schüler auch damals, aber als kurze Zeit später der Dosenspitzer auf den Markt kam, "da war das eine große Neuerung für uns", so Peresson.
Dass früher die Menschen nicht so viel Geld hatten, wussten die Kinder bereits. Aber dass man im Keller der Schule - wo sich heute die Werkräume befinden - Duschen hatte, war ihnen neu. "Es hatte ja nicht jeder ein Bad zu Hause wie wir heute", erklärte sich das Rosina. Ganz ungewohnt fanden die Kinder, dass man am Samstag auch noch in die Schule musste. "Da hat man ja nur einen einzigen Tag frei", wunderte sich Enis. Und dann fragte Binnur: "Habt ihr früher auf dem Pausenhof auch geschlägert?" Da muss Peresson nicht lange überlegen: "Auf dem Heimweg vielleicht ja, aber auf dem Pausenhof ganz sicher nicht. Denn unsere Lehrer waren sehr streng."
Ja, dass die Lehrer zu der Zeit die Schüler noch "züchtigen" durften, das hatten die Kinder schon in dem Film gesehen. Aber als Magnus Peresson von Tatzen und Hosenspannern erzählte und dass man zu Hause am besten nichts erzählt hat, wenn der Lehrer einen gehauen hat, da wurden die Kinder doch ganz still. Als die Klassenlehrerin Ilka Bielenberg dann noch schilderte, dass der Lehrer sich über einen lustig gemacht hat, wenn man mal was Falsches gesagt hatte, da konnte Enis nicht mehr leise sein: "Das ist aber total unfair!" Zum Schluss hat Peresson einen Rat für die Schüler und Schülerinnen: "Ich habe es zwar auch erst etwas später gemerkt. Aber am meisten lernt man, wenn man in der Schule ganz gut aufpasst, dann muss man auch daheim weniger lernen."

Sommerfest mit Tombola
Lernen steht zwar jetzt vor dem Festakt auch auf dem Stundenplan, doch zurzeit sind alle im Jubiläumsfieber. So wird das ganze Haus geschmückt, auf Schautafeln werden alte Bilder aufgehängt, und die Chor- und Flötenkinder sind fest am Proben. Denn am Samstag findet ab 11.30 Uhr ein Fest zum 50-jährigen Bestehen des Schulgebäudes statt. Neben Ansprachen haben die Schülerinnen und Schüler ein fröhliches Programm vorbereitet. Ab 14 Uhr wird ein Sommerfest mit Bewirtung, einer Spielestraße und einer Tombola gefeiert. Der Erlös kommt der Grundschule zugute: Für den Pausenhof muss dringend ein neues Klettergerüst angeschafft werden.