++ 30.10.2006, Allgäuer Zeitung ++

Ein Pfarrer wartet auf einen neuen Platz

Seit fast 20 Jahren ein Thema in Füssen: die Neugestaltung des St. Mang-Vorplatzes

Füssen (hs). - Es gibt Dinge in Füssen, die dauern länger als anderswo. Viel länger. Pfarrer Monsignore Karlheinz Knebel kann davon ein Lied singen: Seit fast 20 Jahren wartet er darauf, dass der inzwischen recht ramponiert wirkende Vorplatz der eindrucksvollen St. Mang-Kirche saniert wird. Es steht inzwischen zu befürchten, dass der Geistliche noch ein paar Jahre darauf warten muss.

Es war 1987. Pfarrer Knebel hatte gerade seinen Dienst in Füssen angetreten, als ihn der damalige Bürgermeister Otto Wanner zu einem Gespräch zur Neugestaltung des Vorplatzes von St. Mang bat. Doch weder Wanner noch dessen Nachfolger Dr. Paul Wengert konnten das Projekt realisieren. Alle Überlegungen verliefen immer im Sande. Heuer wollte Knebel das Projekt mit Unterstützung des inzwischen dritten mit dieser Angelegenheit beschäftigten Rathaus-Chefs durchziehen. Im Januar wandte sich der Pfarrer an Bürgermeister Christian Gangl mit der Bitte, endlich eine Lösung für die der Stadt gehörende Fläche zu finden. Denn mittlerweile präsentiere sich „das historische Herz der Stadt als schlampiger Platz“, sagt der Pfarrer.
Dazu kommt: Die Kirche St. Mang erhält neue Kirchenportale. Der Eingang zur Kirche soll nicht nur würdig gestaltet werden, sondern auch behindertengerecht. In vielen Gesprächen mit der Stadtverwaltung wurde ein Paket geschnürt: Die Neugestaltung des St.Mang-Vorplatzes sollte noch in diesem Jahr mit der Gestaltung der Portale vonstatten gehen, da für den behindertengerechten Zugang zur Kirche auch der Platz unmittelbar vor den Türen umgestaltet werden muss.
Es dauerte freilich bis Ende Mai, bis Gangl das Thema im Stadtrat vorbrachte. Einzig die Finanzierung schien gesichert: Die klamme Kommune verfügt noch über Haushaltsreste und hofft auf einen Zuschuss der Städtebauförderung für das Projekt, das rund 130 000 Euro kosten sollte. Das Kommunalparlament vertiefte sich zunächst in Debatten zu gestalterischen Fragen. Und der Historische Verein Alt Füssen warnte trotz der beinahe 20-jährigen Vorgeschichte vor einem Schnellschuss. Da grenzte es fast an ein Wunder, dass es Gangl nach mehreren Debatten gelang, Ende Juli eine Mehrheit im Stadtrat für das Projekt zu finden. Mögliche archäologischen Grabungen unter dem Platz - dort verlief einst die Via Claudia und lag ein Friedhof - wurden mit Blick auf die Kosten verworfen. Dies freilich rief eine neue Gruppe auf den Plan, die sich die Freunde von St. Mang nennt. Sie wollen archäologische Voruntersuchungen finanzieren und fordern eine der „spirituellen Mitte der Stadt“ angemessene Gestaltung. Gangl vereinbarte mit der Gruppe, nur bei entsprechenden Funden unter Hinzuziehung der Bodendenkmalpflege aktiv zu werden.
Als auch dies geklärt war, trat das Landesamt für Denkmalpflege in Aktion: Es verwarf die Planung für die Neugestaltung, forderte eine andere Lösung und andere Materialien. Sein Trumpf: Ohne das Einverständnis des Denkmalschutzes kann die Regierung von Schwaben keine Mittel aus der Städtebauförderung für das Projekt bewilligen. Die Kommunalpolitiker beugten sich mehr oder minder zähneknirschend den Vorgaben.
Ende September, kurz vor dem geplanten Baustart, war damit klar: In diesem Jahr tut sich nichts mehr beim Mang-Vorplatz. Inzwischen ist das Stadtbauamt dabei, die Mehrkosten für die Wünsche der Denkmalschutzes zusammenzustellen. Am 7. November sollen sie im Bauausschuss präsentiert werden. „Dann müssen wir klären: Können wir es uns leisten oder fangen wir vorerst nur mit kleineren Maßnahmen an?“, so Gangl. Eine Maßnahme eilt: Für die neuen Kirchentüren, die gerade eingebaut werden, muss ein barrierefreier Zugang geschaffen werden - womöglich als Provisorium. „Nichts hält länger als ein Provisorium“, weiß Pfarrer Knebel. Inzwischen bezweifelt er sogar, dass der Vorplatz im kommenden Jahr neu gestaltet wird. Dann wären die 20 Jahre voll.