"Alt Füssen" gegen Neubauten an der Floßergasse

AZ 30. 09. 2015

Vorstand des Historischen Vereins erhält einstimmige Unterstützung der Mitglieder

Die Haltung der Mitglieder des Historischen Vereins Alt Füssen zur geplanten Bebauung unterhalb des Franziskanerklosters ist eindeutig: Der Vorstand wurde aufgefordert, "alle Bemühungen zu unternehmen, die Bebauung der Franziskanerhalde zu verhindern". Eine eventuelle Klage soll "finanziell aus Vereinsmitteln" unterstützt werden. Bei der außerordentlichen Hauptversammlung des Vereins am Montagabend wurde dies einstimmig beschlossen. Für das klare Votum dankte Vorsitzender Magnus Peresson. Denn es "straft auch diejenigen Lügen, die sagen, die Mitglieder würden nicht hinter dem Vorstand stehen".

Von knapp 500 Mitgliedern waren 47 zur Versammlung erschienen, bei der das weitere Vorgehen des Vereins zur umstrittenen Bebauung unterhalb des Klosters festgelegt werden sollte. Schon vor Beginn der Sitzung war klar, dass sich keine Befürworter des Projektes eingefunden hatten. Stattdessen kursierten Unterschriftenlisten für das von Jürgen Brecht und Richard Wismath initiierte Bürgerbegehren, das die Firsthöhe für die Neubauten auf die Höhe des Klostervorplatzes festschreiben will (wir berichteten). Die meisten Teilnehmer des Abends hatten bereits unterschrieben, wer dies noch nicht getan hatte, holte es schnell nach.

Die geplante Bebauung komplett verhindern will der Verein Alt Füssen. Es müsse nicht nur die Blickbeziehung vom Kloster zum Hohen Schloss erhalten bleiben, sondern auch die Aussicht auf die Dachlandschaft davor, forderte Vorsitzender Peresson. Und er zitierte aus einem Reiseführer aus den 1920er Jahren, wonach man keine Opfer scheuen dürfe, um die Reize des alten Stadtbildes zu erhalten.

Über zwei Meter höher

Dieses Stadtbild wäre aber durch das Projekt gefährdet, verwies Dr. Christoph Böhm auf den Bebauungsplan. Danach könnten die Neubauten mehr als zwei Meter hoch über den Klostervorplatz ragen. Der Antrag seiner Stadtratskollegen Michael Jakob (CSU) und Lothar Schaffrath, die Höhe der Gebäude auf die des Klostervorplatzes zu fixieren, kommentierte Böhm so: "Die haben jetzt auch kalte Füße bekommen." Auf die geologischen Besonderheiten ging Peter Nasemann ein: Das Lechkehrwasser habe das Umfeld des Klosters gestaltet. "Die Geschichte des Lechs ist seit der Eiszeit in diesem Bereich dokumentiert." Doch dieses geologische Dokument werde zerstört, sollten die Baupläne umgesetzt werden. In der Diskussion waren sich die Teilnehmer einig, dass die Bebauung verhindert werden müsse. So sagte Ehrenbürger Alfred Köpf: "Wir können es uns nicht leisten, dass dieses Stück Füssen kaputt gemacht wird."

Vorerst wartet der Verein ab, wie der Bauausschuss über den Jakob/Schaffrath-Antrag entscheidet. Werde er befürwortet, müsste man die Pläne überarbeiten - und damit müsste auch der Bebauungsplan erneut öffentlich ausgelegt werden. Dann könnten sich die Füssener mit ihren Einwendungen zu Wort melden. Sollte dies nicht fruchten, will der Verein einen Anlieger bei der Klage gegen das Projekt unterstützen. Knackpunkt kann aus Sicht des Vereins die geplante Tiefgarage sein.

Kostenpunkt: 12 000 Euro

Am Geld jedenfalls scheint die Klage nicht zu scheitern. Rund 12 000 Euro müsse man aufbringen, sagte Peresson. Der Münchner Rechtsanwalt Dr. Bernd Tremml wolle zum "Selbstkostenpreis" arbeiten, in der Summe seien auch Kosten für einen Gutachter und das Gerichtsverfahren enthalten. "Ob das 5000 sind oder 15 000 Euro - da bin ich dabei", sagte Jürgen Brecht. Und er sicherte zum Ende der Veranstaltung bereits eine Spende über 2222 Euro zu. Doch auch weitere Spender solle man aktivieren, wurde in der Versammlung angeregt. (hs)