Auf den Spuren der Römer

AZ 05. 12. 2015

Via Claudia Gastreferent Dr. Wolfgang Czysz begeistert Publikum

Als "Sternstunde" hat Magnus Peresson den Vortrag über die "Via Claudia Augusta - 500 Jahre Römerstraße" bezeichnet. Nicht nur den Vorsitzenden des Vereins Alt Füssen bewegte der Archäologe Dr. Wolfgang Czysz als Gastreferent im Gesellenhaus beim letzten "Hoagarte" in diesem Jahr zu starkem Beifall.

Richtig viel gelernt im Fach Alte Geschichte haben auch Schülerinnen und Schüler des Füssener Gymnasiums, die in einem Wissenschafts-Seminar ("W-Seminar") auf der Spur der Römer lernen, mit historischen Quellen umzugehen. Für sie war daher lehrreich, was der Referent zu den Meilensteinen und ihre Beschriftung in Latein sagte. Hieraus lassen sich Zusammenhänge erschließen. Damit gab es im Gothischen Saal einen Altersdurchschnitt, "der weit unter dem eines Treffens unseres Vereins liegt, das 75 Jahre sein könnte", wie Peresson humorvoll kommentierte.

Auch der Referent wählte einen Einstieg mit Witz, als er sagte, dass die Römer sicherlich nicht nach Füssen gegangen oder gefahren waren, "weil es hier so schön ist". Der Grund dafür waren damals zwei Ziele: Rhein und Donau. Mit der Expansion des römischen Weltreichs nach Norden über die Alpen wurde, so Czysz, die Versorgung notwendig, "um die eroberten Gebiete an das Mutterland Italien anzuschließen". Folglich hatte die Via Claudia Augusta neben ihrer machtpolitischen eine wirtschaftliche Bedeutung; sie wurde vor allem auch in den späteren Jahrhunderten als Handelsweg genutzt. Den römischen Kaisern, betonte Czysz, ging es insbesondere um die verkehrsgeografischen Schlüsselstellungen. Obwohl es sich um eine typische Römerstraße handle, gehe ihr Ursprung "auf die Kelten zurück", sagte Czysz. Diese waren schon hier im Alpenvorland ansässig, bevor die Römer ihre Expansionspolitik begannen. Man könne davon ausgehen, dass die Legionen aus Rom Verbindungswege der Kelten benutzt haben und auch ausbauten.

Die militärische Bedeutung stand allerdings klar im Vordergrund. Auf der gut ausgebauten Straße kamen die Truppen schnell voran. "Noch schneller ging es an den Zielorten mit den Schiffen." Das sicherte den Römern lange genau die Handlungsfähigkeit, die bei der Größe des Imperiums unentbehrlich war, so Czysz. Wo genau es damals über den Lech ging, sei im Grunde für die heutige Sicht nicht relevant. "Da gibt es Vieles, das bedeutsamer erscheint und unbedingt weiter erforscht werden sollte." Das römische Imperium ging unter, auch weil sich Germanen als Söldner für die Kaiser verdingten. Mit dem Niedergang habe damals auch die Via Claudia ihre Bedeutung verloren.

Wie der Vortrag zeigte, könnte die Archäologie durch gezielte Grabungen, oder einfach durch Glück Material aus der Römerzeit zu Tage fördern, das weiteren Aufschluss über eine Zeit gibt, "die nicht zuletzt durch Völkerwanderung" geprägt war.
Von Werner Hacker