Ein Gegner bleibt

AZ 20. 08. 2015

Östliche Floßergasse Bauherren stellen Pläne vor. Bürgermeister kritisiert Verein Alt Füssen, der das Projekt weiter ablehnt

Schon von Weitem hört man einen Bohrer, der im Bereich unterhalb des Füssener Franziskanerklosters am Werk ist. "Dort wird gerade untersucht, wo der Fels verläuft", sagt Wolfgang Gött von der Baufirma Domus Sana, der Grundstücke in diesem Areal gehören und die dort ein lange umstrittenes Wohnbauprojekt mit Tiefgarage verwirklichen möchte. Bei einem Pressegespräch erläutern Bauherren und Architekt, dass die meisten Kritikpunkte inzwischen ausgeräumt seien. Trotzdem gebe es immer noch Gegner - allen voran der Historische Verein Alt Füssen und sein Vorsitzender Magnus Peresson, den Bürgermeister Paul Iacob stark kritisiert.

"Die Planung wurde über einige Jahre immer wieder reduziert", stellt Iacob fest. Zudem werde der Blick auf das Hohe Schloss und das ehemalige Kloster St. Mang nicht verbaut. Erste Untersuchungen haben jetzt laut Gött auch ergeben, dass der Fels unterhalb des Klosters nicht im Bereich der Bebauung verlaufe und somit keine Gefahr für das Gebäude bestehe. Auch in den Hang werde im vorgeschriebenem Winkel nicht eingegriffen. Lediglich Untersuchungen wegen möglicher Bodendenkmäler stünden derzeit noch aus.

"Ich verstehe nicht, dass man sich jetzt noch gegen das Projekt stellt", sagt Iacob. Zumal dort 14 barrierefreie Wohneinheiten entstehen und der Bauausschuss des Stadtrats sich bereits dafür ausgesprochen habe. "Ich ärgere mich und bin enttäuscht", sagt Iacob. Früher habe der Verein Alt Füssen sich der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Stadtgeschichte verschrieben und einen positiven Einfluss gehabt. Unter dem jetzigen Vorsitzenden stelle er sich gegen jede Veränderung, sagt der Bürgermeister, der selbst Mitglied bei Alt Füssen ist. Auch Manfred Wagner, der neben der Firma Domus Sana Grundstücke unterhalb des Franziskanerklosters besitzt und die Bebauung dort vorantreibt, gehört zum Verein. "Viele akzeptieren die Führung nicht", sagt er.

Peresson selbst fragt sich im Gespräch mit unserer Zeitung hingegen, wie es sein kann, dass sich der Bürgermeister öffentlich gegen den Verein stellt, der sich nach wie vor für den Erhalt der Stadt einsetzt. "Wir arbeiten satzungsgemäß, stellen uns vor die Heimat und kämpfen für Ideale", sagt Peresson. Im Verein Alt Füssen sei man sich mehrheitlich einig, dass das Bauprojekt unterhalb des Franziskanerklosters verhindert werden müsse. "Viele Füssener sind empört und erstaunt, mit welcher Vehemenz der Bürgermeister die Zerstörung dieses alten Gefüges unterstützt", sagt er. Stellungnahmen von Fachleuten, die sich allesamt gegen das Vorhaben aussprechen, würden von Iacob einfach "runtergebügelt". In einem Schreiben von Kreisbaumeister Anton Hohenadl heißt es etwa, dass die Gebäudehöhe "unter der Höhe der Oberkante des Hanges" bleiben sollte. Die Pläne von Architekt Hans-Peter Meyer sehen allerdings höhere Gebäude vor, die sich an der Höhe des Hauses Spitalgasse 34 (803,42 Meter über Normalnull) orientieren. Diese Referenzhöhe wurde zu einem früheren Zeitpunkt vereinbart, sagt Meyer. Der Blick auf das Hohe Schloss und St. Mang werde dadurch schließlich nicht beeinträchtigt.

Dieser Blick sei allerdings nicht der einzige, der erhalten werden sollte, argumentiert Peresson. Auch die Aussicht auf die Altstadthäuser, die verbaut würde, sei einmalig. An den Dächern könne man noch heute die frühere soziale Struktur in Füssen ablesen. Um das Projekt noch zu verhindern, sucht der Verein Alt Füssen laut Peresson nun Klageberechtigte, die sich mit der Unterstützung des Vereins und einem Anwalt gegen das Vorhaben wehren. "Noch hängt das jedoch in der Luft", sagt der Vorsitzende. Außerdem stehen noch die Ergebnisse der Bodenuntersuchungen aus.
Von Katharina Müller