Zahlreiche Besucher interessieren sich für Kirche zu "Unserer Lieben Frau am Berg"

AZ 16. 07. 2015

Einen großen Besucherandrang gab es bei einer Führung des Historischen Vereins Alt Füssen durch die Kirche zu „Unserer Lieben Frau am Berg“. Sie ist nur selten zugänglich. Diakon Fredl Hofmann und Alt-Füssen-Vorsitzender Magnus Peresson führten durch das historische Gotteshaus und boten dabei ein ausgewogenes Wechselspiel zwischen theologisch geprägten Ausführungen und Erläuterungen zur Architektur sowie der Einbindung der Kirche in die Landschaft.

So habe der frühere Vorsitzende von Alt Füssen, der Restaurator und Kirchenmaler Josef Lorch bei der Außenrenovierung die ursprüngliche Farbgebung des Baumeisters Johann Schmutzer aus Wessobrunn aufgenommen - einen Ton, dessen Pigment offenbar aus den hinter der Kirche aufsteigenden Felswänden stammte. An der Fassade wurde deutlich, dass über dem Hochaltar ein durch insgesamt sechs Rundfensterchen erhellter Raum liegt, ein Dormitorium (Schlafraum) für Pilger, ähnlich wie in St. Coloman bei Schwangau - ebenfalls von Schmutzer erbaut und stukkiert.

Hofmann erläuterte die Entstehung der Kirche, die vermutlich im engen Zusammenhang mit dem Leprosenhaus stand, einer aus dem Mittelalter stammenden Einrichtung für die Aussätzigen der Stadt. Das gotische Gebäude wurde im 19. Jahrhundert durch die Gebrüder Fichtl aus der Brunnengasse umgebaut und die Straßenfassade mit insgesamt 19 Portraits Füssener Bürger geschmückt. 1970 musste das Gebäude einer Verbreiterung der Tiroler Straße weichen. Das Innere der schmalen Kirche mit ihrem langen, eingezogenen Chor überraschte durch den für alle Schmutzerkirchen typischen, dezent durchgefärbten Stuck und den eigenwilligen Hochaltar, in den ein bewegtes Relief aus der Zeit um 1460 eingefügt ist. Es stellt die sterbende Muttergottes dar, die von zwölf Aposteln mit charakteristischen Allgäuer Köpfen umgeben ist. Josef Lorch hat bei der Restaurierung festgestellt, dass bei der Neuaufstellung des Altares im Jahre 1682 der gotische Christus in Höhe des Nabels abgesägt und dann dem Rumpf unbekümmert ein neuer, jetzt wohl muskulöserer Oberkörper aufgesetzt worden ist.

Die beiden Seitenaltäre sind wie der Hochaltar auf das Marienleben abgestimmt und es kam im Rahmen der Führung zur Sprache, dass es im Mittelalter in Füssen auf geringste Entfernung insgesamt drei Marienkirchen gegeben hat: Die heutige Annakapelle und die Veitskapelle im Hohen Schloss.

Hofmann wies auch auf die schöne Orgel von Andreas Jäger hin, für die - nun im Stil des hohen Rokoko - eine beschwingte Empore eingebaut werden musste.(eb)