Wo schon der Kaiser seine Sonntagspflicht erfüllte

AZ 07. 09. 2015

Magnus Peresson berichtet Besuchern Interessantes über Veitskapelle im Hohen Schloss

Man nimmt sie als Füssener Kirche nicht mehr wahr: Die Veitskapelle im Hohen Schloss. Dabei war sie über Jahrhunderte die Kirche des Fürstbischofs von Augsburg gewesen und mit großer Wahrscheinlichkeit hatte auch Kaiser Maximilian I. hier seine Sonntagspflicht erfüllt, wenn er, während seiner fast 40 Aufenthalte, im Hohen Schloss residierte. Bei einer Führung mit Magnus Peresson, Vorsitzender des Historischen Vereins Alt Füssen, lernten einige Besucher das Gotteshaus kennen.

Über die Baugeschichte ist nicht allzu viel bekannt. Hervorgegangen aus der Kapelle Maria auf der Burg erfuhr sie mehrere An- und Umbauten, zuletzt 1964, als in das Kirchenschiff ein Fluchtweg für das damalige Amtsgericht eingebaut wurde. Sicher ist laut Peresson, dass noch in der frühen Neuzeit der das gesamte Schloss umlaufende Wehrgang auch durch die Kirche geführt hat. Untersuchungen, die Mitglieder des Historischen Vereins Alt Füssen im Jahre 1983 machten, ergaben neue, interessante Aufschlüsse: Etwa, dass einem ursprünglich einfachen Saalbau erst um 1480 ein gotischer Altarraum angefügt wurde und dass der Altar ein bis zu zwei Meter hohes Fundament besaß.

Der gotische Bau wurde durch den Wessobrunner Baumeister Johann Schmutzer um 1680, zeitgleich mit dem Bau der Kirchen St. Coloman bei Schwangau und Unserer Lieben Frau am Berg, überformt und mit dem für Schmutzer typischen Stuck versehen. Am Gewölbe des Chorraumes nimmt ein großes Wappen auf den damaligen Bauherrn Bischof Christoph von Freyberg Bezug. In einem derzeit nicht zugänglichen Gewölbe über dem Kirchenchor wurden zeitweilig wertvolle liturgische Geräte des Hochstiftes Augsburg gelagert.

Mit der Säkularisation gelangte der barocke Hochaltar in die Kirche von Görisried. Seine Stelle nimmt heute ein kleiner, spätgotischer Flügelaltar ein, die Krönung Mariens durch die Dreifaltigkeit zeigend. Die 1684 gemalten Altarbilder der Seitenaltäre zeigen den heiligen Franz von Sales und den Engelsturz.

Alt Füssen-Mitglieder waren es auch, die an der Südwand der Kapelle Fragmente farbenfroher, gotischer Fresken freilegten, die durch Joseph Lorch konserviert wurden, berichtete Peresson. Zu diesem Freskenzyklus gehörte ein weit über Lebensgröße ausgeführter heiliger Christophorus.

Zum Altarbild mit dem Engelssturz mit einem prachtvollen heiligen Michael wusste der Vorsitzende von Alt Füssen eine fast wundersame Geschichte zu erzählen: Dem früheren Vorsitzenden von Alt Füssen, Dr. Sigismund Schmidt, in Personalunion auch Bürgermeister der Stadt Füssen und Heimatpfleger des Landkreises, wurde ein Altarblatt zugespielt. Dieses Bild mit dem Engelssturz hatte einst zum rechten Seitenaltar gehört, man hatte es in der Säkularisation herausgeschnitten. Nach 150 Jahren in der Anonymität kam es nach Füssen zurück und fügte sich exakt in den leeren Altar ein.

Jürgen Geisenfelder, der als Kind im Hohen Schloss gewohnt hatte, konnte ein paar heitere Anekdoten zum Leben im Hohen Schloss und zu den Gefängnissen dort beitragen und auch, dass die inhaftierten "schweren Jungs" den Gottesdienst besuchen durften. (eb)