Archäologische Grabungen auf dem Vorplatz von St. Mang



Die Vorgeschichte

Eine fast unendliche Geschichte in der Geschichte unserer Stadt ist die längst überfällige Gestaltung des Vorplatzes von St. Mang.
Während der großen Umbaumaßnahme von Kirche und Kloster St. Mang unter dem Baumeister Johann Jakob Herkommer in den Jahren 1700 bis 1717 war der Vorplatz von
St. Mang ein für die Anlieferung und Lagerung der Baumaterialien wichtiger Platz. Ob der Baumeister für die Gestaltung des Platzes schon Überlegungen angestellt oder gar Entwürfe angefertigt hatte ist unbekannt. Der heutige Zustand jedenfalls stellt seit dem Jahr 1717 ein Provisorium dar, für dessen Beseitigung seit dem Jahre 1986 Überlegungen angestellt worden sind. Ungünstig für jegliche Unternehmungen ist die Tatsache, dass sich das für die Pfarrei so wichtige Areal im Besitz der Stadt Füssen befindet, sprich, die Interessen der Stadt in städtebaulicher Hinsicht sind andere als die Bedürfnisse der Pfarrei. Der erste, unter Bürgermeister Otto Wanner ausgearbeitete Plan eines Münchener Landschaftsplaners sah eine schlichte, barrierefreie Pflasterung vor. Die in diesem Entwurf vorgesehene Pflanzung einer Linde mit einem Kronendurchmesser von rund 5 Metern in der Mitte des Platzes widersprach nicht nur jeglicher städtebaulicher Wirkung, sie hätte auch den für die Pfarrei so wichtigen Prozessionsweg zur Kirche erheblich gestört. Kein Wunder, dass der damalige Stadtpfarrer Ludwig Steiger diese Lösung verwarf.

Ein weiterer Anlauf zur Gestaltung des Platzes fand rund zehn Jahre später unter dem Nachfolger von Bürgermeister Wanner, Dr. Paul Wengert, statt. Der damals amtierende Stadtbaumeister unternahm erhebliche Anstrengungen, den Stadtrat von seiner sehr eigenwilligen Planung zu überzeugen. Diese sah für den ohnedies kleinen Platz nicht nur drei höchst unterschiedlich gestaltete Bereiche vor sondern auch erhebliche Eingriffe in die Topographie des Schlossberges. Der Entwurf überstieg bei weitem die Mittel des städtischen Haushalts, er ließ aber auch jede Würdigung der langen Geschichte des Platzes vermissen und nahm weder Rücksicht auf die den Platz umgebende Architektur noch auf die Bedürfnisse der Pfarrei. Der Historische Verein hat sich damals vergeblich in die Diskussion eingebracht, das Projekt scheiterte jedoch nicht am planerischen Defizit oder der Einsicht des Stadtrates, sondern allein  an den überzogenen Kosten.

Ein nächster Schritt erfolgte unter Bürgermeister Christian Gangl, der im Jahre 2007 in verhängnisvoller Abhängigkeit von seinen Stadtbaumeister den Stadtrat in einer Blitzaktion vor vollendete Tatsachen zu stellen versuchte. Zu diesem Zeitpunkt lag weder umsetzbarer Plan vor, noch hatte man sich mit dem Landesamt für Denkmalpflege in befriedigender Weise auseinander gesetzt. Städtebauliche Überlegungen hatten nicht stattgefunden, der einzige gemeinsame Nenner war, dass der Zugang zur Kirche  behindertengerecht ausgeführt werden müsse.
Ein höchst betrüblicher Aspekt dieser Phase war, dass Bürgermeister und Stadtpfarrer in schöner Eintracht die Maßnahme ohne die gesetzlich vorgeschriebene Untersuchung des archäologisch wertvollen Untergrundes durchzuführen gedachten. Sie waren möglicherweise auch den unzureichenden Angaben des Stadtbaumeisters über den notwendigen Unterbau für eine Pflasterung erlegen. Die Anregungen des Historischen Vereins zur würdigen Gestaltung des Platzes (das Ergebnis vieler Beratungen) wurden vom Stadtrat zwar überwiegend positiv aufgenommen,  vom Stadtbaumeister aber schlichtweg ignoriert worden. Im Hinblick auf den Einbau neuer Portale in das Vorzeichen von St. Mang wurde nun ein angeblich behindertengerechter Vorbereich geschaffen, doch der widersprach klaren Absprachen mit der Referentin des Landesamtes für Denkmalpflege. Der verwendete Stein, große Granitplatten wie in der Fußgängerzone, stört das Ensemble empfindlich, die entstandene, umlaufende Stufe mit unterschiedlichen Auftrittshöhen stellte sich bald als in hohem Maße unfallträchtig heraus.

Der damals entstandene Zusammenschluss interessierter Füssener Bürger zu den „Freunden von St. Mang“ hatte ein den Interessen des Historischen Vereins entsprechendes Ziel,  einer der Herkommerschen Architektur entsprechenden Platzgestaltung beizutragen, dies auch in finanzieller Hinsicht. Unterredungen mit Bürgermeister und Stadtbaumeister blieben fruchtlos.

Unter dem Nachfolger von Christian Gangl, Bürgermeister Paul Iacob, schien eine Zusammenarbeit möglich, leider dauerte diese Einschätzung nicht allzu lange. Im Vorfeld der Bayerischen Landesausstellung 2010 hatten sowohl der Historische Verein als auch die „Freunde von St. Mang“ versucht, die vor etwa 50 Jahren zerstörte Herkommertreppe zwischen der ehemaligen Klosterküche und dem Fürstensaal wieder herzustellen, eine einmalige Gelegenheit, die am Widerstand des Stadtbaumeisters, des Kulturamtes und damit auch des Bürgermeisters scheiterte. Auch die Einstellung des Landesamtes für Denkmalpflege gegen eine Rekonstruktion der Treppe war nicht nachvollziehbar und wird sich bad als fehlerhaft und korrekturbedürftig erweisen


Der Lichtgraben vor der Annakapelle


Im Zusammenhang mit der Gestaltung des Vorplatzes von St. Mang war schon seit Jahren offensichtlich, dass der vor der Annakapelle liegende, seit Jahrzehnten fahrlässig vernachlässigte Lichtgraben eine Gefahr für Bauwerk und mögliche Passanten auf dem Platz auswachsen würde. Berechtigte Warnungen des Historischen Vereins wurden seitens des Stadtbaumeisters regelmäßig als Panikmache verharmlost, dies solange, bis ein Statiker die Warnungen als berechtigt erkannte und zu einer Absperrung des gefährdeten Terrains riet. Nun galt es, im Hinblick auf die Sanierung der Lichtgrabenmauer eine archäologische Untersuchung des fraglichen Bereiches vorzunehmen.


Die archäologische Grabung im Mai 2013

 
Bei einer Probeschürfung am 18. April 2013, die von einem archäologisch geschulten Mitarbeiter der Stadtarchäologie Kempten begleitet wurde, kam unmittelbar nach Beginn der Arbeiten menschliches Gebein zum Vorschein: Ein archäologische Grabung war nun unumgänglich.
Schon vor Jahren hatten die „Freunde von St. Mang“ vorgeschlagen, den Sohn des früheren Vorstandsmitgliedes von Alt Füssen, Alfred Wintergerst, den renommierten Archäologen Dr. Magnus Wintergerst mit der Untersuchung zu betrauen. Was vor Jahren scheiterte, war nun möglich und so begann Dr. Wintergerst am 6. Mai 2013 mit seinen Arbeiten. Sehr schnell stellt sich heraus, dass der Vorplatz von St. Mang tatsächlich Friedhof gewesen war. Vermutlich seit der Zeit der Gründung des Benediktinerkloster um 800 und von da an bis hin zum Jahre 1528 hatte man hier, wie es damals allgemein üblich war, die Toten ohne Sarg, nur in Tücher gehüllt bestattet, dies auf Grund des beengten Platzes in kaum vorstellbarer Dichte. Am Ende der nur sieben Tage dauernden Untersuchung hatte Dr. Wintergerst auf einer Fläche von ca. 50 Quadratmetern 39 Bestattungen freigelegt bzw. festgestellt, darunter eine Kinderbestattung und ein mit dem Gesicht nach unten liegenden Toten.

Die Arbeiten belegten auch, dass man wohl schon vor hundert Jahren eine Wasserleitung und eine Grundleitung aus Steinzeugrohren quer durch den alten Friedhof und quer durch die Bestattungen gelegt hatte, mit dem Ergebnis, dass ein Teil der Skelette nur noch fragmentarisch erhalten waren.

Das Ergebnis der Grabung bestätigte in handfester und überzeugender Weise, was bisher nur auf Grund der Archivalien bekannt war, das bedeutet aber auch, dass  künftige Arbeiten auf dem Platz ohne  Begleitung durch die Archäologie nicht mehr durchgeführt werden können.

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Kurze filmische Dokumentation